Bottrop: 3.000 Besucher genossen bei bunten Programmen “Nacht der offenen Gotteshäuser”

Pressemeldung vom 21. Juni 2010, 13:07 Uhr

21 Gemeinden waren am 18. Juni beteiligt – Fortsetzung angeregt

Im Rahmen der "Local-Heroes"-Woche in Bottrop öffneten am 18. Juni 21
Bottroper Gotteshäuser ihre Pforten und Türen, um im
Kulturhauptstadtjahr „Ruhr2010“ Interessierten zu zeigen, dass die
verschiedenen Religionen und Konfessionen Fundamente des Lebens und auch
der Gesellschaft sind. Die Gemeinden luden die Besucher von 18 Uhr bis
Mitternacht (im Martin-Niemöller-Haus sogar bis zum Sonnenaufgang) zu
einer spirituellen und kulturellen Nacht mit Gebet, Musik, Gesang,
Literatur und Theater ein. Die Kirchen und Moscheen waren in dieser
Nacht nicht nur spirituelle Begegnungsstätten mit unterschiedlichen
Religionen, sondern demonstrierten auch ihre künstlerische Kraft und
ihren kultuirellen Einfluss auf die Gesellschaft. Eine erfreuliche
Bilanz konnten die Organisatoren der Arbeitsgemeinschaft christlicher
Kirchen (AcK) ziehen: Über 3.000 Besucher erhielten bleibende Einblicke
in evangelischer, katholischer, alt-katholischer, neuapostolischer und
muslimischer Glaubensrichtung.

Aus der Vielzahl der Programme sind hier beispielhaft vier der 21
jeweils ganz eigenen und den organisierenden Gemeinden entsprechenden
Angebote herausgegriffen: In der Martinskirche konnten die Besucher die
Kirche mit allen Sinnen wahrnehmen. Ein generationsübergreifendes
Abendprogramm wartete auf sie. Um 18.30 Uhr erzählte die Bottroper
Autorin "Minna McMaster" den Kindern eine märchenhafte
Gute-Nacht-Geschichte zum Thema: „Warum das Meer blau ist“. Die Kinder
waren begeistert vom interaktiven Vorlesen. Im Anschluss hoben die
„MartinGospelSingers“ die Stimmung in der gut besuchten Kirche
weiter an. In der Martinskirche lief das Programm unter dem Thema „Die
blaue Stunde – Bilder und Klänge zwischen Tag und Traum“. Für
Pfarrerin Anke-Maria Büker-Mamy hat die Thematik eine besondere
Bedeutung: „Die blaue Stunde beginnt für mich mit der Abenddämmerung und
dauert bis in die Nacht. An diesem Punkt des Tages kommt ein Jeder zur
Ruhe und erinnert sich an das vollbrachte Tagwerk. Man lässt den Tag
hinter sich und bekommt zu diesem Abstand und ist losgelöst von den
Fesseln des Tages.“

Die St. Cyriakus-Kirche öffnete ihre Tore unter dem Motto „Wo ist dein
Bruder, Kain?“. Die präsentierten Ausstellungen befassten sich zum
einen mit der Frage „Wer ist mein Nächster?“ und zum anderen mit
zwischenmenschlichen Konflikten, Umkehr und Verantwortung. Zu diesen
Themen fertigten die Schüler der Klasse 10b des
Heinrich-Heine-Gymnasiums gemeinsam mit ihrem Religions- und Kunstlehrer
Volker Heek ein menschengroßes Kreuz an, das in fünf quadratische Würfel
unterteilt ist. Auf Plexiglas zeichneten die Schüler mit Abtönfarbe die
von Gott geschaffene Welt. Der Engel Gabriel, Menschen, die ihre Arme
ausbreiten, Jesus am Kreuz und Kain, wie er seinen Bruder Abel tötet,
waren zu sehen. Da das Plexiglas von hinten beleuchtet ist, kommen die
Zeichnungen sehr gut zur Geltung. Auch die Schüler der
Cyriakus-Grundschule nahmen die Thematik in ihren Portraits auf.
Außergewöhnlich war, dass die Schüler kein Selbstportrait zeichneten,
sondern ihren nächstsitzenden Klassenkameraden. Die Cyriakus-Kirche
wurde insgesamt zum Ort der meditativen Auseinandersetzung durch
Lesungen mit biblischen Texten und durch die klangvolle Begleitung des
Improvisationskünstlers Ingo Stanelle. Mathilde und Georg Wenning fanden
es spannend, den Kirchenraum einmal ganz anders zu erleben. „Wir lassen
uns überraschen, was uns in der Nacht der offenen Gotteshäuser noch so
begegnen wird“, beschrieb Georg Wenning seine Erwartungen an diesen
Abend.

Die Moscheen der islamischen Gemeinschaften legten ihr Augenmerk vor
allem darauf, den andersgläubigen Besuchern ihre Religion vorzustellen,
um Vorurteile abzubauen. Die Gäste folgten sehr interessiert den
Erklärungen der Führerin in der DITIB-Moschee an der Prosperstraße
162. „Wir sind zum ersten Mal in einer Moschee und wollten mal sehen,
wie es im Inneren aussieht. Wir haben einen interessanten Einblick
hinter die Fassaden der Moschee erhalten“, beschrieben Birgit und
Volker Lenser ihre ersten Eindrücke. Sati Kayabasi, die die Führungen
durch die Moschee kommentierte und Fragen der Besucher beantwortete, war
positiv überrascht: „Ich habe bis jetzt über 300 Gäste gezählt. Es ist
ein schönes Gefühl, ein Teil der Kulturhauptstadt zu sein. Es ist
wirklich ein ‘Näherkommen", ein Kennenlernen und man räumt Steine aus
dem Weg.“

Verschiedenste Facetten zeigte an diesem Abend die Heilig Kreuz Kirche.
Die "aufgegebene" Kirche wurde erneut zu einem Ort der Begegnung. Die
Akteure im weit über Bottrop hinaus bekannten Kirchenschiff stellten die
Gotteserfahrungen in unterschiedlichen Religionen dar. Bis Mitternacht
ging es um das innige Verhältnis zwischen Gott und den Menschen am
Beispiel auch des jüdischen Chassidismus. des ZEN-Buddhismus und
islamischer Mystiker. Paul Döing sieht es als wichtig an, die Inhalte
anderer Religionen anzusprechen: „In der heutigen Zeit ist jeder ständig
gefordert, Konfessionsgespräche zu fördern. Dadurch erhält man einen
neuen Zugang zur eigenen Weltansicht“. Stefan Reddig stellte seinen
Beitrag aus dem Musikprojekt „Lichtblicke auf meinem Weg“ vor. „Unter
diesem Titel verbergen sich instrumentelle meditative Stücke, die meine
eigene Erfahrung und die Lebenssituation im Christentum darstellt“,
erklärte Stefan Reddig die Hintergründe seiner Inszenierung. Zum
Nachdenken auffordern will auch die überregionale Ausstellung "Schätze!
Kirchen des 20. Jahrhunderts", die sich mit der Entwicklung beschäftigt,
dass auch viele katholische Kirchen aufgegeben werden müssen.

Andere Konfessionen präsentierten sich unter dem Motto "Licht und
Weihrauch (Altkatholische Gemeinde), zeigten den Gästen "Pflanzen der
Bibel" (Neuapostolische Kirchengemeinde Ebel) oder luden den
Schauspieler und Theologen Rolf Degen zu einer Szenencollage ein (Freie
Evangelische Gemeinde).

Pfarrerin Anke-Maria Büker-Mamy würde es begrüßen, wenn es nicht bei
dieser einen "Nacht der offenen Gotteshäuser" bleiben würde. Denn:
"Viele Gäste, die ich angesprochen habe, haben begeistert davon erzählt,
was sie an dem Abend schon in Moscheen und Kirchen erlebt haben und
wohin sie noch wollen." An diese positiven Erfahrungen sollte tunlichst
angeknüpft werden – nicht nur wegen der angestrebten Nachhaltigkeit der
Kulturhauptstadt 2010.

Quelle: Stadt Bottrop – Öffentlichkeitsarbeit

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