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Bad Honnef: Sozialkompetenztraining – eine Chance für jugendliche Straftäter

Pressemeldung vom 1. Juni 2011, 09:42 Uhr

Bad Honnef. Im Mai 2011 wurde das Sozialkompetenztraining (SKT) der Jugendämter Bad Honnef und Königswinter für junge Straftäter bereits zum fünften Mal erfolgreich durchgeführt.

Teilnehmer sind strafmündige Jugendliche, die vom Gericht dazu verurteilt wurden, an dieser Intensivmaßnahme teilzunehmen. Im Rahmen des Sanktionssystems der Jugendgerichtshilfe ist das SKT das letzte pädagogische Instrument vor dem Arrest.

Ziel des Sozialkompetenztrainings ist, dass sich die Jugendlichen im Verlauf des Trainings intensiv mit ihren Straftaten sowie mit kursübergreifenden Themen wie Gewalt, Drogen, Sucht und Umgang mit persönlichen Grenzen befassen. Außerdem sollen sie Team-Kompetenzen erlernen, die sie auch in ihrem späteren Berufsleben gebrauchen können. Darüber hinaus soll die Entwicklung eines persönlichen Stärken- und Schwächenprofils den Jugendlichen dabei helfen, Klarheit über ihre aktuelle Lebenssituation und ihre Zukunftsperspektive zu gewinnen.

Die jugendlichen Straftätern sollen im Rahmen des Kurses einen kritischen Blick auf die eigenen Fehler werfen denn, so hat schon Henry Ford festgestellt: „unsere Fehlschläge sind lehrreicher als unsere Erfolge“.

So äußerten sich die jungen Leute nach dem Training: „Mir war nicht klar, dass ich das kann, mit den anderen im Team klarkommen!“. „Das bringt schon was, wenn man sieht, was einem (in Zukunft) wichtig ist!“. „Hat schon gepasst, der Kurs – die Zeit ging echt schnell rum!“. „Ich werd‘ mich nicht ändern, aber besser auf mich aufpassen!“. (Orginalzitate Teilnehmer)

Das Sozialkompetenztraining umfasst drei Abendveranstaltungen und zwei Tagesveranstaltungen am Wochenende. Das Konzept zeichnet sich durch ein transparentes Regelwerk, gemeinsame Rituale sowie eine klare Programmstruktur aus. Es gibt ein festgelegtes Sanktionssystem, das den Jugendlichen von Anfang an bekannt gemacht wird und zum Beispiel bei unentschuldigtem Fehlen zum Ausschluss aus der Maßnahme führt. Die Jugendlichen bestätigen darüber hinaus mit ihrer Unterschrift, dass sie das Regelwerk akzeptieren

Das Training setzt sich zusammen aus den Bausteinen:
– Auseinandersetzung mit der Straftat über den heißen Stuhl sowie der Erstellung eines Persönlichkeitsprofils von jedem Teilnehmer,
– Einer handwerklichen Projektarbeit zur Erlernung von Sozial- und Teamkompetenzen,
– Der Selbstorganisation von zwei Mahlzeiten am Wochenende
– Programmbausteine zu den Themen Drogen, Gewalt, Grenzen

Bei den Projektarbeiten handelt es sich um kleine handwerkliche Aufgaben, die als Team gelöst werden müssen.
Im vorletzten Arbeitsprojekt sind zum Beispiel Sitzkisten aus Holz mit Stoffbezug für das Haus der Jugend angefertigt (siehe Foto) oder alte nicht abgeholte Fahrräder aus dem Fundbüro repariert und bedürftigen Familien zur Verfügung gestellt worden.

Die Jugendlichen erhalten darüber hinaus als festes Ritual von den anderen Teilnehmern als auch von der Kursleitung am Ende jedes Kurstages ein Feedback. Das Feedback dient zum einen der Überprüfung ihrer Selbstwahrnehmung und zum anderen ihrer persönliche Weiterentwicklung.

Die Vorgeschichte diese Maßnahme ist, dass die Fallzahlen der Jugendgerichtshilfe in Bad Honnef nach 2009 wieder einer Steigerung zeigen. Aus Sicht der Jugendhilfe ist die tragfähigste Prävention erneuter Straffälligkeit die aktive Auseinandersetzung mit der persönlichen Lebensperspektive in Zusammenhang mit der Reflektion der Straftat.

Mit Beginn der Arbeit des eigenen städtischen Jugendamtes 2008 und Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht in Königswinter wurde deutlich, dass es wichtig ist, der Straffälligkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einem auf den Sozialraum „Siebengebirge“ zugeschnittenen Konzept zu begegnen. 2009 wurde das Sozialkompetenz-Training, unter Einbeziehung der individuellen Besonderheiten der eher ländlichen Region des „Siebengebirges“, zwischen dem Amtsgericht, der Staatsanwaltschaft, dem Jugendamt Bad Honnef in Kooperation mit Sprungtuch e.V. aus Köln entwickelt. Seitdem nahmen insgesamt ca. 40 junge Menschen aus Bad Honnef und Königswinter teil. Seit 2010 Jahr beteiligt sich auch das Jugendamt Königswinter an dem erfolgreichen Training.

Quelle: Bad Honnef

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