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Gütersloh: Biologische Vielfalt

Pressemeldung vom 21. Juli 2011, 10:51 Uhr

Lasst die Schmetterlinge wieder fliegen
Gartenbesitzer können helfen

Gütersloh (gpr). Schmetterlinge sind Wunder der Natur, vielleicht die schönsten Wesen der Tierwelt überhaupt. Ihre zarte Erscheinung, ihre Farbenpracht und vor allem ihre geheimnisvolle Entwicklung faszinieren. Entdecken kann man Schmetterlinge auch in Gütersloh. Zum Beispiel den Kohl- und Rapsweißling, Kleiner Fuchs oder das Tagpfauenauge. Eben die Allerweltsarten. Auch in Gütersloh wird die Vielfalt der Schmetterlinge immer geringer. Der Anteil der Allerweltsarten bei den Tagfaltern beträgt 25 Prozent, die anderen 75 Prozent sind bereits gefährdet oder ausgestorben. Die Ursachen für ihr Verschwinden sind vielfältig.

Noch vor 50 Jahren waren unsere Wiesen im Sommer voller Schmetterlinge. Heute dagegen sind große Teile unserer Sommerwiesen falterlos, weil die Landwirte gezwungen wurden, immer intensiver zu wirtschaften. Ertragreiche Grasarten, die auf hohe Düngergaben mit starkem Aufwuchs reagieren, verdrängten Wildblumen und Kräuter. Durch den früheren und häufigeren Schnitt der Mähwiesen kommen kaum noch Blüten zur Ausbildung, so dass die Schmetterlinge keine Nahrungsquellen finden.

Schuld ist auch die Luftverschmutzung. „Denn immerhin cirka 40 Kilogramm Stickstoff aus Industrie-Emissionen, Hausbrand, Autoabgasen und anderen Quellen regnen Jahr für Jahr auf jeden Hektar bundesdeutscher Fläche nieder. Allein diese ungewollte Düngung entspricht nach fünf Jahren einer Volldüngung und trifft somit auch die Naturschutzgebiete“, sagt Franz Thiesbrummel vom Naturschutzteam Gütersloh, der sich seit mehr als 20 Jahren für den Schutz der Gütersloher Natur einsetzt.

Eine weitere Gefährdung vor allem der Nachtfalterarten stelle die Beleuchtung dar, ergänzt Thiesbrummel. „Wir sollten uns fragen, ob wir die Nacht derart beleuchten müssen, wie das heute der Fall ist, und ob wir nicht wenigstens durch den Einsatz von weniger schädlichem Gelblicht zum Schutz nachtaktiver Tierarten beitragen sollten.“

Sensible Anzeiger der Lebensqualität

Wo viele Schmetterlinge zu finden sind, stimmt die Lebensqualität. „Für Schmetterlinge sind blüten- und nektarreiche Park- und Gartenlandschaften in den Stadtbereichen oftmals lebenserhaltend“, weiß Rudolf Pähler, der sich seit 40 Jahren mit Schmetterlingen beschäftigt. Dicht bebaute Stadtzentren und Bereiche ohne Grünanlagen würden sich dagegen als lebensfeindlich erweisen. Die auf Nektar angewiesenen Arten drohten dort regelrecht zu verhungern. Daher könnten Schmetterlinge als sensible Anzeiger für die Lebensqualität gesehen werden, so der Naturschützer.

Große Wiese: Schmetterlinge erleben

Im Raum Gütersloh trifft man nur auf ganz wenige Lebensräume, die noch eine ansprechende Schmetterlingsvielfalt beherbergen. Im Naturschutzgebiet „Große Wiese“ beispielsweise sieht man im Frühjahr noch den Aurorafalter über die Wiesen gaukeln, trifft man noch auf die kleinen wunderschönen Bläulinge in mehreren Arten, verschiedene Dickkopffalter, Distelfalter, Zitronenfalter, Feuerfalter, das Landkärtchen und das Ochsenauge. Hier fliegen noch Brauner Waldvogel und das lebhaft gemusterte Waldbrettspiel. Hin und wieder sieht man den gelben Postillion in schnellem Flug über die Wiesen eilen oder den Perlmuttfalter an einer Flockenblume saugen.

In den letzten Jahren kam noch eine neue Art dazu. Der farbenprächtige Jakobsbär, ein tagaktiver Nachtfalter hat schwarze Flügeldecken mit feuerroten Farbtupfern. Dieser Falter hat sich durch die Verbreitung des Jakobskreuzkrautes eingefunden. Seine Raupen leben gesellig auf dieser zweijährigen, giftigen Pflanze und fressen sie bis auf die Pflanzenstümpfe radikal ab.

Gartenbesitzer können den Schmetterlingen helfen

Damit Schmetterlinge in Gütersloh eine Zukunft haben, fällt vor allem den Gartenbesitzern unter den Naturfreunden eine wichtige Aufgabe zu. Gärten könnten zu einem wichtigen Lebensraum werden, wenn sie naturnäher gestaltet würden. „Wichtig ist die Aussaat von heimischen Wildkräutern, das Anpflanzen von Stauden und heimischen Wildsträuchern. Sie sind wichtige Nahrungsquellen und können wesentlich zum Schmetterlingsschutz beitragen“, so der Tipp von Franz Thiesbrummel. Man dürfe jedoch nicht schon im ersten Jahr einer ökologischen Gestaltung erwarten, dass der Garten von seltenen bunten Schmetterlingen nur so wimmelt. Man könne nur den Faltern einen Lebensraum bieten, die noch in der Umgebung vorkommen. „Den Haupteffekt der ökologischen Gestaltung wird der Gartenbesitzer entdecken, der auf Nachtfalter achtet“, sagt Thiesbrummel. Der Artenzuwachs in dieser Insektengruppe ist immer beträchtlich. Nach mehreren Jahren werden sich immer häufiger Falter im „Ökogarten“ einfinden und sicher bald auch Bläulinge und Wanderfalter, wie Distelfalter und Admiral.

Quelle: Stadt Gütersloh – Zentrale Öffentlichkeitsarbeit

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