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Gütersloh: Letzte Kosmetik für eine klassische Schönheit

Pressemeldung vom 25. Juli 2011, 10:39 Uhr

Das Veerhoffhaus stellt sich am „Tag des offenen Denkmals“ in neuem Glanz der Öffentlichkeit vor

Gütersloh (gpr). Seit eineinhalb Jahren verbirgt sich das historische Veerhoffhaus, Am alten Kirchplatz 2, vor der Öffentlichkeit. Wie ein Korsett umringen Bauzäune und Leitern das Fachwerk, Planen versperren den Güterslohern die Sicht. Doch an der Fassade und im Inneren hat sich Entscheidendes verändert. Am 11. September wird sich das Haus zum „Tag des offenen Denkmals“ erstmals umfassend renoviert und restauriert präsentieren.

Die Bauarbeiten laufen zur Zeit mit Hochdruck dem Ende zu. Jetzt ist Feinschliff angesagt. Mit dem Pinsel taucht Maler Wolfgang Beck in den Farbtopf, dann zieht er die feinen Linien der Hausinschrift nach und verziert die Ornamente. Blau, rot, gelb oder grün – das Veerhoffhaus ist bunt geschmückt. In enger Absprache mit Ulrich Paschke von der Denkmalbehörde der Stadt Gütersloh wurden die alten Farbtöne vorab genau dokumentiert und vom Malerteam der Firma Rickmann neu angemischt. „Ganz sauber werde ich die Linien aber nicht hinbekommen“, sagt Wolfgang Beck. Er müsse schließlich mit Naturholz arbeiten, das im Laufe der Zeit Risse und Unebenheiten bekommen hat. Doch gerade das mache den Charme des Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert aus.

Seinen Namen hat das Haus von Ludwig Arnold Veerhoff, einem Musikalienhändler, erhalten. Heute hat hier normalerweise der Kunstverein des Kreises Gütersloh seinen Sitz. Ein Übergangsquartier war für die Restaurierungszeit in der Hohenzollernstraße schnell gefunden. Denn damit der Verein das Veerhoffhaus auch in Zukunft für seine Zwecke nutzen und erhalten kann, waren umfassende Sanierungsarbeiten nötig. 360 Jahre und etliche Besitzer gehen nicht spurlos an einem Gebäude vorbei. Da fängt der Putz schon einmal an zu bröckeln, Holzbalken werden morsch. „Besonders die Südfassade war stark betroffen“, sagt Anton Bussmann vom Architektenbüro Schröder und Gaisendrees.

Mit viel Liebe zum Detail und viel Erfahrung machten sich die Handwerker an die aufwändige Sanierung. Nach der Dacherneuerung wurde in einem ersten Bauabschnitt im vergangenen Jahr das Haus mit Pfeilern abgestützt und komplett entkernt. Marodes Mauerwerk wurde entfernt, die jahrhundertealten Gefache lagen frei, berichtet Bussmann. Teilweise hätte der Zimmerer auch alte Holzstreben im Fachwerk erneuern müssen. Dann bekam das Veerhoffhaus von innen eine dichte Wärmedämmung. Eine moderne Wandheizung unter dem neuen Lehmputz sorgt jetzt für angenehmes Raumklima und Energieeffizienz. Neue Elektroleitungen und Strahler setzen auch in Zukunft alle Exponate des Kunstvereins in Szene. Die sanierten Innenräume geben den perfekten Rahmen.

„Wir haben alle alten Holzböden freigelegt und aufgearbeitet“, sagt Anton Bussmann. Dicke Eichen- und Fichtendielen lagen jahrzehntelang unter unpassenden PVC-Böden, Nadelfilz und Spanplatten verborgen. Jetzt erstrahlen sie wie in alten Tagen, die Wände sind in frischem Weiß verputzt. Bis zur offiziellen Schlüsselübergabe durch die Stadt Mitte September ist es nicht mehr lange hin. „Wir liegen sehr gut in der Zeit“, meint Bussmann. Bis Ende Juli haben Wolfgang Beck und sein Malerteam die farbigen Ornamente fertig gestrichen. Anfang August wird das Außengerüst entfernt, dann sanieren die Handwerker den Sockel des Hauses und pflastern die Außenanlage. Zum „Tag des offenen Denkmals“ zeigt sich das Veerhoffhaus fast wie neu erbaut – und ist bereit für die nächsten Jahrhunderte.

Zur Geschichte des Veerhoffhauses, Am Alten Kirchplatz 2
Auf dem Platz rund um die Alte Kirche wurde den Bauern im 14./15. Jahrhundert die
Errichtung von Spiekern (Speichern) erlaubt. Ab ca. 1600 wurden sie allmählich für
Wohnzwecke genutzt. Das Haus Am Alten Kirchplatz 2 ist seit 1649 als Spieker schriftlich belegt (1647- 1649 erbaut). 1865 erwirbt der Zigarrenfabrikant

Ludwig August Veerhoff (1826-1905) aus Rheda 1865 das Haus. Veerhoff betrieb
bereits seit 1856 eine „Cigarren-Fabrik“ in Gütersloh und ab 1859 einen Handel mit
Kolonial- und Manufakturwaren. 1910 eröffnet dessen Schwiegertochter dort eine Musikalienhandlung. Im März 1939 geht das Haus in städtischen Besitz über.

1973 Nach Umbau und Renovierung wird das Haus dem Kunstverein des Kreises zur
Verfügung gestellt, dessen Domizil und ausstellungsort es seither ist. Vor zwei Jahren begann die Stadt Gütersloh mit umfangreichen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten, die im August abgeschlossen wurden. Am Tag des offenen Denkmals stellt es sich in neuem Glanz zum ersten Mal wieder der Öffentlichkeit vor. Der Kunstverein wird dort im Oktober seine erste Ausstellung präsentieren.

Quelle: Stadt Gütersloh / Zentrale Öffentlichkeitsarbeit

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