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Gütersloh: Libellen machen keinen Stich

Pressemeldung vom 9. Juni 2011, 15:33 Uhr

30 Libellenarten sind in Gütersloh zuhause
Gütersloh (gpr). Im Volksmund werden sie als Teufelsnadeln bezeichnet (oder im Englischen als dragon-flies) und das zeigt eines der Vorurteile, mit denen die Libellen noch heute zu kämpfen haben. Um gleich damit aufzuräumen: „Libellen stechen nicht, da sie gar keinen Stachel wie zum Beispiel Wespen besitzen“, sagt Jürgen Schleef, Mitarbeiter der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld.
Bewundernswert sind ihre Flugkünste, die sie mal als kleinen Hubschrauber, mal als Jagdflieger erscheinen lassen. Die unterschiedlichen Arten lassen sich anhand von Größe, Färbung, Metallglanz, Musterung und Flügelmerkmalen unterscheiden.
Im Stadtgebiet von Gütersloh leben cirka 30 der 72 in Nordrhein-Westfalen heimischen Libellenarten. „Das mag auf den ersten Blick als nicht viel erscheinen; dies entspricht aber dem Arteninventar von ganz Bielefeld mit einer zweieinhalb mal so großen Fläche“, erläutert Schleef. Die Datengrundlage sei allerdings sehr dürftig und stamme im Wesentlichen vom Arbeitskreis Libellen NRW, einer ehrenamtlichen Gruppe von Naturfreunden, und der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld e.V., die Bestandserfassungen in den kreisweiten Naturschutzgebieten durchführe. Zwei davon liegen teilweise auf Gütersloher Stadtgebiet: Am Lichtebach und die Große Wiese.
Die einzelnen Libellenarten haben sehr unterschiedliche Ansprüche an ihre Umwelt. So lebt die metallisch blau- bzw. grün-glänzende Blauflügel-Prachtlibelle ausschließlich an Bächen, die noch einen hohen Sauerstoff-Gehalt aufweisen. Diese Indikatorart machen sich Wasserbehörden bei der Bestimmung der Gewässergüte zunutze. Ist die Art als Larve im Bach vorhanden, gibt es – vereinfacht gesagt – die „Schulnote“ eins bis zwei. Die Art kommt erfreulicherweise noch im Oberlauf der Dalke vor.
Andere Arten wie die Südliche Binsenjungfer bevorzugen flache, offene Gewässer – so genannte „Blänken“ – inmitten von Wiesen oder Weiden. Wie der Name andeutet, stammt die Art ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Seit Mitte der 1990-er Jahre ist sie in Ostwestfalen beheimatet – vielleicht ein erstes Indiz für eine Klimaveränderung. Ähnliches trifft auch auf die schön anzuschauende Feuerlibelle zu, die in manchen Jahren in dem vom Naturschutzteam Gütersloh umgestalteten Bereich bei Hof Kröning (östlich der Paderborner Straße) beobachtet werden kann.
In diesem Bereich erlebte Schleef im Sommer 2010 eine Überraschung: eine Art, die er seit 1995 nicht mehr im Kreis Gütersloh gesehen hatte, tauchte unvermittelt an einem auf den ersten Blick nicht sehr attraktiven, ehemaligen Fischteich auf. Es handelte sich um die Glänzende Smaragdlibelle, eine in NRW gefährdete Art. Sie bevorzugt beschattete Gewässer, die wie in diesem Fall auch von hohen Bäumen umgeben sein können. „Auffällig sind der grün-metallisch gefärbte Hinterleib und die sehr agile Flugtätigkeit“, so Schleef. Sie fliegt von Juni bis August, also später als ihre wesentlich häufigere Schwesterart: die Gemeine Smaragdlibelle.
Schleefs Tipp für Gartenbesitzer: Etliche Arten können sich bereits in Gartenteichen entwickeln wie beispielsweise die schön gemusterten Mosaikjungfern oder die blau gefärbten Azurjungfern. Für die ganze Familie toll zu beobachten ist im Frühjahr der Schlupf von Libellen aus ihrer letztem Larvenhaut und die anschließende „Entfaltung“ zum flugfähigen Insekt. Um diese Zeit kann man zahlreiche Libellen mit noch milchig-trüben Flügeln bei ihrem ersten so genannten „Jungfernflug“ beobachten.

Quelle: Stadt Gütersloh – Zentrale Öffentlichkeitsarbeit

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