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Herzogenrath: Talente entdecken, fördern und Berufsperspektiven eröffnen

Pressemeldung vom 15. Juli 2015, 12:46 Uhr

Gemeinsam haben das KFW-Team und die Realschule Herzogenrath ein Berufswahlkonzept für junge Menschen entwickelt. Dabei werden die Potentiale der Schülerinnen und Schüler ermittelt und zielgerichtet mit den Anforderungsprofilen der Betriebe abgeglichen. Wo liegen meine persönlichen Stärken? Welcher Beruf könnte zu mir passen? Wer hilft mir in dieser Findungsphase?

Diese und viele andere Fragen stellen sich zahlreiche junge Leute, die vor dem Schulabschluss stehen und noch nicht wissen, wie es beruflich weiter gehen soll.

Die Schüler der Realschule in Herzogenrath-Kohlscheid bekommen hier ganz besondere Unterstützung. Vor rund 4 Jahren entwickelte Olrik Müller, Geschäftsführer des in Herzogenrath ansässigen technischen Großhandelsunternehmens Kornel Fohn-Werkzeuge (KFW-Team) ein Berufswahlkonzept.

Seine Erfahrungen auf der Suche nach geeigneten Fach- und Nachwuchskräften im eigenen Betrieb ließen ihn diesen etwas anderen Weg beschreiten. „Wenn man zuerst die Stärken eines jungen Menschen ermittelt und mit dem Anforderungsprofil eines Betriebes abgleicht, dann kann eine zielgerichtete Praktikumsvermittlung erfolgen. In der dreiwöchigen Praktikumszeit, können dann beide Seiten – Betrieb und Praktikant – feststellen, ob die gewählte Berufsrichtung tatsächlich passend ist“, erläutert Müller.

Engagierte Mitstreiter für seine Idee fand Müller in der Realschule Kohlscheid. Sowohl die Schulleitung als auch die zuständige Fachlehrerin für Berufswahlorientierung, Karin Jager, sind von der Vorgehensweise überzeugt und nutzen gerne die praktischen Erfahrungen und Kontakte des ortsansässigen Unternehmers. So können die Schülerinnen und Schüler möglichst praxisnah auf das Berufsleben vorbereitet werden. Mittlerweile sind viele Betriebe von diesem Konzept überzeugt und aktuell können 55 verschiedene Berufsbilder angeboten werden. Natürlich sind jederzeit weitere Zugänge ausdrücklich erwünscht, um die Auswahlmöglichkeiten noch mehr zu erweitern. Hier sollten sich alle interessierten Firmen angesprochen fühlen und können gerne mit den Organisatoren Kontakt aufnehmen.

Karin Jager: „Wir führen unsere Schülerinnen und Schüler schon Ende der Klasse 7 vorsichtig an die Berufswelt heran. In Klasse 8 wird erstmalig in der Potentialanalyse über Stärken, Fähigkeiten und Fertigkeiten gesprochen. Anschließend sammeln Schüler/innen in der dreitägigen Berufsfelderkundung erste Erfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern. Schwerpunkt der Klasse 9 ist das 3wöchige Schülerbetriebspraktikum, das im Unterricht gut vorbereitet wird; u.a. werden gezielt Fähigkeiten und Fertigkeiten herausgearbeitet, die mit den Anforderungsprofilen der Firmen abgeglichen werden mit dem Ziel, dass jeder Schüler das zu ihm passende Berufsbild findet und jeder Betrieb den zu ihm passenden Praktikanten begrüßen kann.“

In dieser Phase kommt Herr Müller auch in den Unterricht und stellt verschiedene Berufsbilder vor. Dabei ist es ihm auch sehr wichtig, nicht nur Trendberufe zu skizzieren, sondern auch einen Überblick über klassische Berufsfelder zu geben. Die Schüler besuchen ein „Etikette-Seminar“ und jeder schreibt drei Bewerbungen auf drei verschiedene Berufsbilder. Anschließend wählen die Betriebe, die einen Praktikumsplatz anbieten, unter den Bewerbern aus. Hier ist es bereits wichtig: Wer sich am besten präsentiert, hat die besten Chancen genommen zu werden. Der Erfolg des Berufswahlkonzeptes spricht für sich: Während bei einem gewöhnlichen Schulpraktikum nur zwischen 1 und 2 Prozent der Praktikanten einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen, sind es in diesem Jahrgang über 50 Prozent gewesen! Auf dieses Ergebnis sind alle Beteiligten sehr stolz.

Sebastian Erdogan war 2011 einer der ersten Schüler der Realschule, die an dem neuen Konzept teilnehmen konnten und er ist begeistert. „Eine gewisse Skepsis war bei mir und meinen Freunden natürlich zunächst vorhanden. Aber durch die zielstrebige Vorauswahl und Ermittlung unserer Stärken und Schwächen wurden für uns alle sehr gut passende Praktikumsplätze gefunden. Uns hat die Zeit in den Betrieben wirklich Freude gemacht.“ Er selbst hatte sein Praktikum direkt beim KFW-Team absolvieren können. Heute besucht er das Wirtschaftsgymnasium am Berufskolleg in Herzogenrath mit dem Ziel einer Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann. Derzeit arbeitet er ehrenamtlich in seinem früheren Praktikumsbetrieb – Schwerpunkt: Ausbildungsförderung.

Olrik Müller freut sich über die kompetente Entlastung durch die Nachwuchskraft. Er plant im September ein erstes Seminar für Eltern in Zusammenarbeit mit der VHS Nordkreis-Aachen unter dem Titel: „Berufswahl: Wie Eltern ihren Kindern bei der Berufswahl helfen können“. Schließlich ist die tatkräftige Unterstützung durch das Elternhaus ein maßgeblicher Faktor für die weitere berufliche Entwicklung der Jugendlichen. Hier will der Praktiker Müller den Hebel ansetzen und die Weichen für eine noch besser informierte Elternschaft stellen.

Aufgrund der Änderung der Schullandschaft sind die Haupt- und Realschulen in Herzogenrath auslaufende Schulformen. Doch mit dem Übergang der Realschule in die neue Gesamtschule in Kohlscheid soll das Berufswahlkonzept nicht enden. Im Gegenteil – erste Vorgespräche mit der Schulleitung wurden bereits geführt, die sich an der Fortführung des Projektes interessiert zeigt.

Deutlich wurde bei dem Gespräch, dass dieses geschlossene Konzept nur durch die Menschen, die es engagiert unterstützen und tragen so erfolgreich werden konnte. Es handelt sich um ein Projekt in das die Organisatoren spürbar viel Herzblut stecken.

Im Mittelpunkt dieser besonderen „Talentbörse“ steht die Zukunft junger Menschen. Das Berufswahlkonzept bietet eine Plattform für Jugendliche, die in diesem geschützten Bereich die Möglichkeit haben, selbst zu einer bewussten Entscheidung für ihren beruflichen Werdegang zu kommen. Es bietet den teilnehmenden Betrieben die Möglichkeit, interessierte junge Leute praxisnah auf ihre Befähigungen und Eignungen hin zu testen und auf diesem Wege geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Eine Win-Win-Situation, die im wahrsten Sinne des Wortes „Schule“ machen sollte.

Quelle: Stadt Herzogenrath

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