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Krefeld: Kulturrucksack – Das Klassenzimmer wird in Uerdingen zur Theaterbühne

Pressemeldung vom 21. Januar 2013, 13:03 Uhr

Schüler führen eigenes Stück im Krefelder Stadttheater auf

„Ich wusste gar nicht, wie viel Fantasie in mir und der Klasse steckt“, antwort Till auf die Frage, wie er die Idee mit dem „Theater spielen“ findet. Für den elfjährigen Schüler der Klasse 6b am Gymnasium Fabritianum in Uerdingen und seine 27 Mitschüler dreht sich seit den vergangenen Wochen im Deutschunterricht alles um den „Plan der Tiere“, ein selbst geschriebenes Theaterstück. Auf dem normalen Lehrplan der Schüler steht das natürlich nicht. Dieser ungewöhnliche Lernstoff stammt aus dem Projekt Kulturrucksack. Gemeinsam mit dem Theater Krefeld/Mönchengladbach bilden die Uerdinger Schüler eine kreative Inszenierungsklasse. Ihr Stück führen sie im April im Glasfoyer des Theaters auf.

Im Klassenraum der 6b herrscht eine freudige Anspannung, denn zum ersten Mal wird die Schule zur Bühne. Theaterpädagoge Dirk Schwantes bittet Schüler zu einer Szenenprobe an „die Tafel“. Mit ihren Textbüchern in der Hand, den Blick auf die Zeilen gebannt, sprechen Mark, Jonas und weitere Schüler eine Szene im Mattiswald. Dort wollen der König und Investoren ein Shopping-Center errichten. Doch dieses Vorhaben würde die Vertreibung der Waldbewohner bedeuten, die ihrerseits nun einen Plan schmieden, um das Vorhaben abzuwenden. Nach der ersten Sprechprobe erhalten die jungen Darsteller reichlich Applaus von den Schulbänken. „Das Stück ist fertig, die Szenen aber noch nicht“, erklärt Schwantes. Die Inszenierung setzt die Geschichte vom Weihnachtsmärchen des Stadttheaters „Ronja Räubertochter“ fort. Die Schüler hatten die Proben und die Aufführung besucht. Dann wurden sie selbst kreativ.

Seit Wochen konzentriert sich Klassenlehrerin Carmen Galts mit ihren Schülern auf das Projekt, das sie in den Deutschunterricht eingebunden hat. In Kleingruppen überlegten sie sich, wie die Geschichte weitergeht. Sie sammelten Ideen, schrieben Szenen, die der Schüler Max in einem Textbuch zusammenfasste. „Wir

haben sogar eine Klassenarbeit darüber geschrieben“, so die Lehrerin. Neben Rechtschreibung und anderen typischen Unterrichtsthemen lernten die Kinder so spielerisch einiges über das Theater. Dass es dazu gekommen ist, verdanken sie dem Schul-Sozialpädagogen, Joachim Watzlawik, der das Angebot für eine kreative Inszenierungsklasse beim Kulturrucksack gefunden hatte. Neben dem Lernstoff hat er noch ein weiteres Ziel vor Augen: „Es geht darum, die Klassengemeinschaft zu stärken, es geht um ein Klassenerlebnis“, so der Pädagoge. Nachdem im vergangenen Jahr die Schüler in Kleingruppen gearbeitet haben, gestalten sie nun als Klasse ein Projekt.

Auf der „Bühne“ im Klassenzimmer steht die nächste Sprechprobe an. Die Tiere wollen sich gegen die Menschen wehren. Dabei zeigen die Schüler, dass sie die Sache auch mit Witz geschrieben haben. „Du sprichst ja schon wie ein Mensch – mehr ‚Us‘ bitte“, fordert eines der Tiere, die in ihre Sprache ‚unglublich‘ viele ‚Us‘ eingebaut haben. Damit im April diese und weitere Szene auch gut ins Bild gesetzt werden können, gestalten die Schüler ihre Bühnenbilder selbst, die später Theaterprofis bauen. „Es wird eine öffentliche Vorführung sein“, sagt Schwantes. Ob weitere Aufführungen folgen, entscheidet die Nachfrage. Wie die auch immer ausfallen mag, für die Schüler ist das Theater jetzt schon ein Erfolg. „Es ist echt cool“, meint Lena (zwölf) und Laura (elf) sagt: „Wir freuen uns, dass unsere Lehrerin so etwas mit uns macht.“ Das meinen auch ihre Mitschüler, die wissen, dass dieses Schuljahr für sie etwas ganz Besonders ist.

Für über 18 000 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren in den Städten Krefeld, Viersen und Willich steht das (fast immer) kostenfreie Angebot „Kulturrucksack“ seit 2012 zur Verfügung. Dabei haben kulturelle Institutionen der Städte und freie Kulturschaffende eine Angebotspalette für Kinder und Jugendliche geschaffen, um sie für Kultur zu begeistern und sie in kreative Schaffensprozesse als Akteure einzubinden. Mit dem Projekt wird das Ziel verfolgt, die kulturelle Bildung und die kreative Eigentätigkeit von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Die drei niederrheinischen Kommunen nahmen mit insgesamt 25 Städten und

Kooperationen an einem Pilotprojekt der NRW-Landesregierung teil. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Pilotstadt zusammen mit Viersen und Willich werden durch das Land NRW für das hiesige Projekt Mittel bis 2015 zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen stehen auf der Internetseite www.krefeld.de/kulturbuero unter dem Stichwort „Kulturrucksack“.

Quelle: Stadt Krefeld

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