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Krefeld: Verzehrempfehlung für selbst angebautes Gemüse in Stahldorf bleibt bestehen

Pressemeldung vom 1. Juli 2011, 10:49 Uhr

Vorsorgemaßnahme der Stadt seit 2006 / Rund 160 Grundstücke tangiert

Im Jahr 2006 hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz
(LANUV) in ausgewählten Stahldorfer Gärten Salate und Gemüsepflanzen auf ihre
Belastung durch Staubniederschläge untersucht und leicht erhöhte Werte für
Chrom und Nickel festgestellt. Daraufhin hatte die Stadt Krefeld eine
entsprechende Anbau- und Verzehrempfehlung ausgesprochen. Hierbei handelte
es sich um eine reine Vorsorgemaßnahme. Diese Verzehrempfehlung hält die Stadt
Krefeld nun weiter aufrecht. Sie hat an die Anwohner des betroffenen Bereichs ein
Informationsschreiben verteilt, der Fachbereich Umwelt mit entsprechenden
Rufnummern ist als Ansprechpartner bei Nachfragen benannt.

Die folgende Verzehrempfehlung gilt entsprechend für die Anwohner
beziehungsweise Nutzer von 160 Grundstücken im Bereich zwischen Gladbacher
Straße und Obergath, Oberschlesienstraße und Thyssenstraße beidseitig bis zum
Ende der Bebauung und dem Verbindungsweg zwischen dem Stadtpark Fischeln
und der Obergath: Auf den Verzehr von Blattgemüse (Grünkohl, Endivie, Mangold
und Spinat) aus dem eigenen Garten sollte bis auf Weiteres verzichtet werden. Alle
unterirdisch wachsenden Gemüsearten wie Möhren, Schwarzwurzeln, Kartoffeln
können wie bisher weiter angebaut und verzehrt werden. Ebenso alle Erntegüter,
die vor dem Verzehr geschält oder ausgepult werden müssen (Kohlrabi, Erbsen,
Bohnen). Alle oberirdischen glatten Früchte wie Äpfel, Tomaten oder Gurken und
Bohnen sind leicht und gut von eventuell vorhandenen Stäuben zu säubern. Sie
können ebenfalls wie bisher angebaut und verzehrt werden. Bei oberirdischen
rauen Früchten, die sich nicht gut säubern lassen, wie Himbeeren oder Erdbeeren,
können Staubauflagerungen bleiben. Allerdings werden diese Früchte lediglich in
einem kurzen Zeitraum im Jahr und im Vergleich zu Gemüse auch nur in geringen
Mengen gegessen. Sie können also im gewohnten Ausmaß weiterhin verzehrt
werden.

In den auf 2006 folgenden Jahren hatte Thyssen Krupp Nirosta eine Reihe von
Maßnahmen ergriffen, um die Staubbelastung im Umfeld des Werkes zu senken.
Das LANUV hat in 2007, 2008 und 2009 auf einigen Parzellen selbst Pflanzen
angebaut und untersucht. Die Untersuchungsergebnisse des Landesamtes für das
Jahr 2010 hatte die Stadt Krefeld am 27. April erhalten. Während bei Chrom und
Nickel eine leichte Verringerung der Werte zu verzeichnen war, gaben die
Ergebnisse bei Cadmium zu Bedenken Anlass. Cadmium erscheint oft als
Begleitelement bei der Verarbeitung von Chrom und Nickel. Das LANUV vermutete
einen Übergang aus einer Bodenbelastung mit Cadmium und empfahl, die Böden
und den Transfer vom Boden in die Pflanze für Nickel und Cadmium zu
untersuchen.

Die Stadt hatte daraufhin das anerkannte Institut IFUA aus Bielefeld beauftragt,
hierzu in kürzester Zeit Untersuchungen durchzuführen und ein Gutachten zu
erstellen, damit noch rechtzeitig zur nächsten Ernte über eine Fortsetzung der
Verzehrempfehlung entschieden werden konnte. Die Untersuchungen wurden auf
die nähere Umgebung von Stahldorf ausgedehnt. Wegen der Nähe zum Werk
wurde auch die Spielfläche an der Stahldorfer Grundschule mit aufgenommen.

Die Untersuchungsergebnisse liegen jetzt in einer Vorab-Version vor und liefern
folgende Ergebnisse, die zum Aufrechterhalten der Verzehrempfehlung führten:
Die in 2006 höher belasteten Gemüse stammten von Flächen, die auch jetzt höhere
Gehalte an Chrom, Nickel und Cadmium aufzeigen. Korrespondierend zu den
Gemüseuntersuchungen von 2006 stammten niedrige Werte von Flächen, die
weiterhin geringere Gehalte an Chrom, Nickel und Cadmium haben. Die
Untersuchungen im Labor zeigen aber vor allem, dass die Belastung der Pflanzen
nicht durch Übergang von Schwermetallen aus dem Boden über die Wurzeln in die
Pflanze erfolgt ist. Denn in keiner Bodenprobe konnte pflanzenverfügbares Nickel
oder Cadmium nachgewiesen werden. Die Belastung von Gemüse erfolgt auch jetzt
nur über den Luftweg.

Allerdings klingen diese Belastungen mit wachsender Entfernung vom
Werksgelände schnell und deutlich ab, nach rund 300 Metern ist eine Auswirkung
kaum mehr feststellbar. So wurden auch die Böden von drei Gemüseanbauflächen
entlang der Anrather Straße untersucht. Dort wurden Werte gefunden, die typisch
für unbelastete, niederrheinische Böden sind. Das heißt, auf diesen Flächen haben
die Böden keine erkennbare Belastung mit Chrom, Nickel und Cadmium. Gleiches
gilt für Böden der Holterhöfe und im Bereich Sterkenhof. Das LANUV wird auch in
den nächsten Jahren auf ausgesuchten Flächen Gemüse anbauen und
untersuchen.

Quelle: Stadt Krefeld

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