Energiewechsel

Mechernich: Antwerpes und der Bossanova

Pressemeldung vom 24. Juni 2011, 08:58 Uhr

„Talk im Bahnhof“ war wieder eine Wucht: „Schäfer-Reisen“ hatte in der neuen Mechernicher Gleis-Passage den aus Mechernich stammenden früheren Regierungssprecher Klaus Vater, die Sängerin Ulla Haesen, WDR-Moderatorin Katia Franke und Ex-Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes eingeladen
Mechernich – Volles Haus, interessante Gäste, tolle Musik, Super-Stimmung. Der zweite Talk im Bahnhof hielt, was der erste im Januar versprochen hatte: Das Mechernicher Traditionsunternehmen „Schäfer-Reisen“ hat nicht nur den alten Bahnhof gekauft, modernisiert und als „Gleis-Passage“ zu Mechernichs guter Stube mit Gleisanschluss an die Welt gemacht. „Schäfer-Reisen“ will auch einen kulturellen Anspruch im neuen, vom Café Hallmanns bewirtschafteten Bahnhof erfüllen, der für viele Mechernicher und Eifeler schon das „Tor zur Welt“ geworden ist.
Folgerichtig organisiert das Unternehmen gemeinsam mit den beiden in der Stadt Mechernich lebenden und wirkenden Moderatoren Herbert Born (Ex-Kreispressereferent) und Manfred Lang (Agentur ProfiPress) ein anspruchsvolles regionales Talkshow-Format. Bei der Premiere waren das Ensemble „Diva Delight“ sowie der Karnevalist und Musikverleger Heli Steingass (Kommern), Fußballweltmeisterin Bettina Wiegmann (Eiserfey) und ARD-Washington-Korrespondent Udo Lielischkies (Kommern-Süd) zu Gast.
Am Samstag sorgten diesmal „Brazil Connection“ mit Ulla Haesen (Gesang und Gitarre), Pablo Paredes am Piano und André de Cayres am Kontrabass für Klasse-Musik. Als Talkgäste hatte Cheforganisator Herbert Born die Bossanova-Interpretin Ulla Haesen (Keldenich), WDR-Moderatorin Katia Franke (Schleiden), den aus der Mechernicher Bergstraße stammenden Journalisten und früheren Ministeriums- und Regierungssprecher Klaus Vater sowie Alt-Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes gewonnen.
Schlagfertig und kratzbürstig
wie eh und je
Der oft gescholtene und kritisierte „RP“ hatte sich während seiner Amtszeit 1978 – 1999 zu einem bundesweit bekannten Medienstar entwickelt. Auf dem Talksofa zwischen Born und Lang stellte der inzwischen 76 Jahre alte Politiker, Hobbywinzer („Kleinkölner Zuckerberg“), Büttenredner (Stunksitzung), Fernsehmoderator (mit Marijke Amado im WDR-Fernsehen), Opernakteur (er spielte in einer modernen Fassung des Offenbach-Stückes Orpheus in der Unterwelt die Rolle des Hans Styx), Buchautor, Lkw- und Alkoholkontrolleur auf rheinischen Autobahnen, Teetrinker und Wanderfreund von Ex-Landrat Josef Linden und Ex-Oberkreisdirektor Dr. Karl-Heinz Decker unter Beweis, dass er nichts von seiner Schlagfertigkeit und Kratzbürstigkeit verloren hat.
Er lieferte sich einen offenen Schlagabtausch mit den Moderatoren Born und Lang, der darin gipfelte, dass er sofort den draußen auf dem Gleis 1 vorfahrenden Zug nach Köln zu nehmen drohte, falls die Moderatoren weiter so hart mit ihm ins Gericht gingen. „Das wird Ihnen nichts nützen, denn die Leute werden den Ausgang blockieren“, drohte Manni Lang gelassen. „Ich mag eckige Leute“, parierte Antwerpes.
Dabei kritisierten die Moderatoren Antwerpes nicht nur, es sprach auch Bewunderung für den Mann mit, der das Kreiskrankenhaus in Mechernich erhalten und gefördert hat. Mit gutem Gespür für Showeffekte, aber auch Vorbild in Sachen eines damals erst zaghaft erwachenden Umweltbewusstseins, reiste Antwerpes einst mit Zug und Fahrrad an, um Krankenhausdirektor Dr. Hans Rossels einen Förderbescheid über 17 Millionen D-Mark zum Bau der neuen Stationen für Orthopädie und Geriatrie in Mechernich zu überreichen.
Teewasser vom Olefsee
und keine Freunde?
Antwerpes nahm es den Moderatoren nicht übel, dass sie zum Teil von ihm selbst gestreute Gerüchte und Anekdoten ausgegraben hatten. So das Märchen vom RP-Fahrer, der jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe von Köln zur Oleftalsperre fahren musste, um frisches weiches Teewasser für den RP in die Kölner Zeughausstraße zu bringen. Um diesem streng genommen illegitimen Tagesausflug einen amtlichen Anstrich zu geben, soll der damalige RP angeordnet haben, dass sein Fahrer in Hellenthal gleichzeitig die Standfestigkeit der Olefstaumauer zu testen habe. Antwerpes am Samstag im Mechernicher Bahnhof: „Alles Quatsch, frei von mir erfunden“.
Eines Tages war Dr. Franz-Josef Antwerpes auf einer Ahrwanderung mit seinen Wanderfreunden Josef Linden und Dr. Karl-Heinz Decker in einem Hotel untergekommen, in dem auch eine Kölner Reisegruppe logierte. Unter den Domstädtern, die den prominenten „RP“ bei der Anreise mit Linden und Decker erkannt hatten, herrschte große Aufregung: „Hatt Ihr jesinn? Datt war der Regierungspräsident Antwerpes?“ „Jaa, ich hann der jesinn. Der es mett zwei Fründe jekumme.“ „Zwei Fründe?“, fragt der dritte Kölner: „Dann kann et nit der Antwerpes jewesse sinn . . .“
„Wer nicht dabei war, hatte etwas verpasst am Samstagabend“, urteilt die in Kommern-Süd lebende Journalistin Claudia Hoffmann in einer rundum positiven Kulturkritik im „Kölner Stadt-Anzeiger“ über „Talk im Bahnhof“, dem sie TV-Qualitäten zuspricht. Was allerdings auch daran lag, dass diesmal alle Talkgäste reichlich Mikrophonerfahrung mitbrachten.
„Jetzt fahre ich zurück in meine schöne Eifeler Heimat“, pflegt etwa WDR-Moderatorin Katia Franke am Schluss ihrer Sendung „Morgenmelodie“ auf WDR 4 zu sagen. Talkmäßig war sie an diesem Abend beim passionierten Radiohörer Herbert Born in den besten Händen. Dem Mechernicher Publikum gab sie lachend eine kleine gesangliche Kostprobe ihres Lieblingsstücks aus Kindertagen: „Schön ist es auf der Welt zu sein“. Ruhe und Kraft für ihre Moderationen findet Franke beim Yoga oder beim Wandern im Nationalpark Eifel.

Im „linkskatholischen Milieu“
der Mechernicher Bergstraße
Als Sprecher der Ministerien Walter Riester und Ulla Schmidt sowie als stellvertretender Regierungssprecher Angela Merkels zur Zeit der Großen Koalition hat der aus Mechernich stammende Journalist und Politikwissenschaftler Klaus Vater ebenfalls keinerlei Berührungsängste mit größeren Menschenansammlungen. Der studierte Politikwissenschaftler, gelernte Agenturjournalist, Sozialdemokrat und „Vorwärts“-Redakteur, der nach 1989 Karriere in Bonn und Berlin machte, plauderte bei „Talk im Bahnhof“ aus seinen Kindertagen im linkskatholischen Milieu der Mechernicher Bergstraße.
Seine journalistischen Kinderschuhe trat Vater mit 15 im Auftrag der Eifeler Volkszeitung aus, die eine Lokalredaktion in Gemünd unterhielt, in der zehn Jahre später auch Vaters Gesprächspartner Manfred Lang für die Nachfolgeredaktion der Kölnischen Rundschau tätig wurde.

Womit Lang bei der Symbolik des Mechernicher Bahnhofs für das von Herbert Born und ihm im Auftrag von „Schäfer-Reisen“ betreute Talkshow-Format angelangt war: „Hier sind Mechernicher und Eifeler in die große weite Welt gefahren. In der Talkshow kommen sie zurück und unterhalten sich mit uns Mechernichern und Eifelern, die zwar ab und zu auch wegfahren, aber im Prinzip hiergeblieben sind.“
Klaus Vater war genau der richtige Mann, um den „Daheimgebliebenen“ das latente Gefühl zu nehmen, sie hätten irgendetwas verpasst. Das, was ihn beispielsweise zum unnachgiebigen und fast fanatischen Sozialpolitiker machte, „habe ich in der Mechernicher Bergstraße zwischen Bergarbeitern und fleißigen Frauen gelernt, die sich zwar auch lautstark gezankt haben, aber, wenn es drauf ankam, immer zusammenhielten.“

Von Frauen erzogen und
ein Faible für mutige Frauen
Der Sohn von Maria Schwer, die mit ihrer Schwester ein Haushaltswarengeschäft in der unteren Bergstraße unterhielt, verriet den Talkshow-Zuschauern noch eins: „Ich bin von Frauen erzogen worden. Deshalb habe ich ein besonderes Faible für Frauen, die was riskieren.“ Deshalb arbeitete er so gerne und engagiert für Ulla Schmidt – und dem Umstand ist es auch zuzuschreiben, dass es den Sozialdemokraten Vater keinerlei Überwindung kostete, sich gut, gerne und engagiert für Angela Merkel ins Zeug zu legen.
Auch der Krimi- und preisgekrönte Jugendbuchautor Klaus Vater kam bei „Talk im Bahnhof“ in der modernen Glashalle der Mechernicher „Gleis-Passage“ zu Wort. „Meine Bücher haben am Rande auch immer was mit Mechernich zu tun“, verriet Klaus Vater. Sein neuestes, allerdings noch nicht veröffentlichtes Buch „Frauen im Feuerofen“ allerdings noch viel mehr als seine bisherigen belletristischen Werke „Sohn eines Dealers“ (Ravensburger) und „Am Abgrund“ (Reihe „Es geschah in Berlin“, Jaron).
Selbst Sachbücher aus Vaters Feder, wie eine Analyse des Einflusses der Kultur auf die Ruhrgebietsbevölkerung nach Niedergang des Bergbaus, atmen irgendwie Erfahrung und Geist seiner frühen Jahre am Bleiberg: „Wissen Sie, ich glaube, dass, was man als Kind und junger Mensch authentisch mitbekommt, das lässt einen ein Leben lang nicht mehr los.“

Quelle: ProfiPress – Agentur für Kommunikation

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