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Mechernich-Kommern: Damit das „Unkraut“ nicht vergeht

Pressemeldung vom 30. Juni 2011, 15:41 Uhr

LVR-Freilichtmuseum Kommern beteiligt sich am Ackerwildkrautprojekt der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft – Bedrohte Arten werden angebaut, um das Saatgut zu vermehren – Kooperation mit Landwirten

Mechernich-Kommern – Heimische Ackerwildkräuter wie das Sommer-Adonisröschen, der Gezähmte Feldsalat oder der Acker-Wachtelweizen sollen nicht von der Bildfläche verschwinden. Um diese bedrohten Pflanzenarten und damit auch die Artenvielfalt zu erhalten, dafür setzt sich die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft ein. Bereits Ende der 1970er Jahre hatte der heutige stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Professor Wolfgang Schumacher, im Kommerner LVR-Freilichtmuseum Beete mit seltenen Ackerwildkräutern angelegt, um deren Saatgut zu vermehren. Jetzt wird seine Initiative wieder aufgegriffen. Mitarbeiter des Freilichtmuseums haben in Kooperation mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft jetzt Vermehrungsbeete angelegt mit dem Ziel, das Ackerwildkraut-Saatgut zu vermehren und anschließend auf geeignete Flächen in der Region auszubringen.

„Gut 50 Ackerwildkräuter stehen auf der Roten Liste bedrohter Arten in NRW“, berichtete der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Friedhelm Decker, bei einem Pressegespräch. Die Ursachen seien leicht zu erklären: „Ziel der landwirtschaftlichen Nutzung von Flächen ist es, Nahrungsmittel und nachwachsende Rohstoffe zu produzieren. Dafür müssen für die Kulturpflanzen gute Bedingungen geschaffen werden.“ Das bedeutet in der Praxis, dass störenden Ackerwildkräutern, die sich zwischen Weizen oder andere Kulturpflanzen „mogeln“, häufig etwa mit Unkrautbekämpfungsmitteln zu Leibe gerückt wird. Mit finanzieller Unterstützung der Bayer CropScience Deutschland GmbH werden nun Landwirte gewonnen, die für die Ackerwildkräuter geeignete Flächen bewirtschaften. Diese erklären sich etwa bereit, keine Unkrautbekämpfungsmittel einzusetzen und das Getreide dünn zu säen, damit genug Licht und Platz für die seltenen Ackerwildkräuter bleibt. Für den Minder-Ertrag und den Mehraufwand, so Decker, erhielten die Landwirte von der Stiftung eine Vergütung.

Der Geschäftsführer der Bayer CropScience, die sich im Rahmen einer nachhaltigen Landwirtschaft auch für die Biodiversität – also die Erhaltung der Artenvielfalt – einsetzt, ergänzte: „Nicht jeder Acker ist hierfür geeignet: Von Natur aus magere Standorte bieten für den Schutz seltener Ackerkräuter besonders gute Bedingungen.“ Erste „Feldversuche“ gebe es bereits auf landwirtschaftlichen Nutzflächen bei Schwerfen.

Für den stellvertretenden Museumsdirektor Dr. Michael H. Faber passt sich das Ackerwildkrautprojekt perfekt in das Konzept des Kommerner Freilichtmuseums ein: „Wir waren das erste LVR-Freilichtmuseum, dass die Vergangenheit nicht nur anhand historischer Gebäude darstellen und erlebbar machen wollte, sondern auch den dazu gehörigen Naturraum und die traditionelle Naturnutzung.“ Im Sinne des Erhalts von vom Aussterben bedrohter Arten begann das Museum in den 1980er Jahren auch mit Rückzuchtprogrammen für traditionelle Nutztiere. Nach dem Glan-Donnersberger Rind folgte unter anderem die Wiederaufzucht des Deutschen Weideschweins, an dessen Erhalt sich mittlerweile auch einige Landwirte in der Eifel beteiligen.

Über das aktuelle Ackerwildkrautprojekt informiert künftig auch eine große Schautafel, die am Rande der Vermehrungsbeete aufgestellt wird.

Quelle: LVR-Freilichtmuseum Kommern

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