Energiewechsel

Mechernich-Kommern: „Heiße Sache“ im Freilichtmuseum

Pressemeldung vom 9. Juni 2011, 11:17 Uhr

Stellmacher und Schmied führten im LVR-Freilichtmuseum historisches Handwerk vor – Eisenring auf 900 Grad erhitzt und auf Holzrad aufgezogen – Temperatur wird an der Glühfarbe abgelesen

Mechernich-Kommern – „Der Eisenring muss auf 900 Grad erhitzt werden“, erklärten Dieter Knoll, Walter Keil und Jakob Beissel den gespannten Besuchern im Kommerner LVR-Freilichtmuseum, die einmal hautnah miterleben wollten, wie ein Stellmacher früher Wagenräder hergestellt hat. Knoll, der hauptberuflich als Hufschmied arbeitet, demonstriert sein Handwerk regelmäßig in der Museumsschmiede. Er unterstützte die Stellmacher, denn das Hantieren mit den großen Rädern ist nicht ohne. Auch Keil ist gelernter Schmied, ebenso Maschinenbaumeister und Stellmacher. „Die Stellmacherei ist ein aussterbendes Handwerk.“ Er selbst hatte noch das Glück, die Stellmacherei bei einem der letzten Vertreter dieser Zunft zu lernen, sagt aber: „In 20 Jahren wird es wohl kaum noch einen originären Stellmacher geben, der das historische Handwerk lehren kann.“ Schreiner Jakob Beissel ist im Museum ebenfalls als Stellmacher aktiv – er hat sich das Handwerk selbst beigebracht.

Wie Schmied und Stellmacher früher Hand in Hand arbeiteten, demonstrierten die Drei anschaulich. „Der Eisenring muss erhitzt werden, damit er sich ausdehnt und so über das schwere Holzspeichenrad gezogen werden kann“, berichtete Beissel. Dazu hatten die Handwerker eine Art „Backofen“ aus wärmespeicherndem Schamottestein für die Eisenringe gebaut, deren schwerster rund einen Zentner wog. „Handwerk war früher eine schwere Arbeit“, sagte Beissel. Dann war es geschafft, der Eisenring lag im „Ofen“, den Beissel und Knoll mit zwei Gasbrennern befeuerten. „Früher“, berichteten sie den Zuschauern, „wurden die Ringe direkt im offenen Feuer erhitzt.“

Im Freilichtmuseum begann schon bald die Luft über dem Steinofen zu flimmern, der Eisenring glühte. Aber noch nicht genug, wie die Experten erklärten: „Wir erkennen die Temperatur an der Glühfarbe“, so Beissel, „wenn das Eisen ein helles Kirschrot annimmt, hat sich das Eisen auf 900 Grad erhitzt.“ Und das ist genau die Temperatur, bei der das Eisen die optimale Ausdehnung dazu aufweist, ihn auf das Holzrad aufzuziehen.

„Jetzt wird es spannend“, rief Beissel plötzlich, und schon hievten Stellmacher und Schmied den glühenden Ring gemeinsam aus seinem Steinbett und zogen ihn auf das Holzrad auf. Begleitet von lauten Zischen und einer Menge Dampf wurde das Rad dann in ein Wasserbecken getaucht, damit sich das Eisen wieder abkühlt, dabei zusammenzieht und so eng an das Holzrad schmiegt. Das nämlich ist wichtig, damit das Rad anschließend schön rund läuft. Während Knoll, Keil und Beissel das Rad immer wieder im Wasser kreisen ließen, verflog auch die letzte Dampfwolke.

„Und was geschieht nun mit dem Rad?“, fragte jemand aus dem Publikum. „Ein alter Museumskarren braucht ein neues“, antwortete Beissel. Denn auch wenn das LVR-Freilichtmuseum in erster Linie den aussterbenden Beruf des Stellmachers erlebbar machen und altes Wissen erhalten möchte, haben derlei Präsentationen auch einen praktischen Nutzen, wie Keil berichtete: „Wir haben historische Fahrzeuge im Museum, die wir nicht mehr lange präsentieren könnten, wenn wir die Räder nicht nach der alten Technik aufziehen könnten.“

Quelle: ProfiPress – Agentur für Kommunikation

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