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Mechernich-Kommern: Prunkstücke aus der „Schatzkammer“

Pressemeldung vom 28. Juli 2011, 09:35 Uhr

Zwei Tage „Fest im Dorf“ mit Bauernmarkt und Kinderspielen im Kommerner LVR-Freilichtmuseum – „Verborgene Schätze“ aus den Magazinen geholt – Ausstellung noch bis Ende März 2012 im „Handwerkerhaus Henkel“ und im Gelände zu sehen – „Herzwein“ im Garten von Haus Kessenich

Mechernich-Kommern – „In unseren Magazinen schlummern viele kostbare Exponate, die wir in den Häusern nicht zeigen können, sondern nur in Ausstellungen“, sagt Sabine Thomas-Ziegler, Ausstellungskuratorin des Kommerner LVR-Freilichtmuseums. Das 50-jährige Bestehen des Museums war Anlass, einige kostbare „Schätze“ aus den Depots zu holen und in einer ganz besonderen Ausstellung zu präsentieren. Auch in Häusern und Höfen der verschiedenen Baugruppen präsentiert man Kostbarkeiten. Sie sind für die Besucher leicht zu finden, denn überall dort, wo ein goldener Würfel steht, kann man auch einen „Schatz“ entdecken und bewundern.

In der Baugruppe „Eifel“ hatte man zwei Tage lang ein Dorffest arrangiert. Neben der Kapelle aus Lückerath gab es eine Tanzfläche, auf der auch der Harmonieverein Weyer, das Blasorchester Marmagen, das Salon Ensemble Beda sowie die Bergmannskapelle Mechernich konzertierten.

Stellmacher zeigte
alte Handwerkskunst

Zwischen den Häusern war ein ländlicher Markt aufgebaut, auf dem man Blumen, Stauden und Sträucher ebenso erwerben konnte wie Eifeler Köstlichkeiten: Ziegenkäse, Honig, Bärlauchprodukte, Wein, Schnäpse. Selbst gefertigte Puppen fanden ebenso ihre Abnehmer wie die Besen von Besenbinder Michael Roos. Besondere Aufmerksamkeit fand auch Stellmacher Walter Keil aus Gymnich, an dessen Arbeitsplatz man sehen konnte, wie alte Karrenräder saniert werden – eine fast ausgestorbene Kunst.

Während Papa und Mama sich Bratwurst oder Steak vom Grill gönnten, konnten deren Pänz sich prächtig vergnügen. Ringwurfspiele und Kegeln waren ebenso im Angebot wie Stelzenlaufen, „Diabolo“ oder Gummi-Twist- die Kinder hatten ihr helles Vergnügen.

Im Mittelpunkt aber standen am Wochenende die „Verborgenen Schätze“. Direkt gegenüber dem Gebäude, in dem die Sonderausstellung „WirRheinländer“ präsentiert wird, hatte die Museumsleitung im „Handwerkerhaus Henkel“ anlässlich des Jubiläums eine weitere Sonderausstellung installiert. Kameraüberwacht in Vitrinen werden „Schätze“ gezeigt, die ansonsten unter Verschluss sind. Ein besonderer Augenfang ist die Wurlitzer Jukebox 1015, die es 1946 erstmals gab. Welche Musiktitel gespielt wurden, kann man nachvollziehen: „Downtown“ von Petula Clark oder „Twist and Shout“ von The Isley Brothers. Daneben beeindruckten aus dem Sammlungsschwerpunkt Keramik die „Siegburger Schnellen“ – drei hohe, schlanke Trinkgefäße aus dem 16./17. Jahrhundert mit der Abbildung von König Philipp II.

Aus der Frühzeit der Schützenvereine stammt ein silberner Schützenvogel aus dem Jahr 1660, aus dem Jahr 1850 eine Automatenpuppe aus Frankreich. Wie bei allen „Schätzen“, gibt es zu jedem Exponat eine Infotafel, die kurz und knapp, aber verständlich, Geschichte vermittelt. So auch ein Haarbild, das an Kindersterblichkeit und Totenbrauch erinnert, in diesem Fall an ein Kind, das nur drei Jahre alt geworden war.

Kräuterbuch ist eine
besondere Kostbarkeit

Eine besondere Kostbarkeit ist ein Kräuterbuch aus dem Jahr 1543. Es wurde von dem Arzt, Botaniker, Chemiker und Physiker Adam Lonicer verfasst, in Frankfurt gedruckt und umfasst 840 kolorierte Textholzschnitte. Eine bergische Holztruhe aus dem Jahr 1750, wunderschön geschnitzt, sowie ein kostbares Kaffee-Service mit Zinndeckeln im Jugendstil, 1900 in Köln von der Firma Orivit produziert, sind ebenfalls Hingucker. Der jüngste der alten „Schätze“ ist etwas verrostet, für das Museum aber eine kleine Sensation, denn: Erst Anfang des Jahres wurde in einer Scheune das Motorrad des ehemaligen Kommerner Bürgermeisters Toni Bauer (1907-1977) entdeckt. Mit dieser „Hercules“, quasi seinem „Dienstwagen“, war er ständig im Gemeindegebiet unterwegs. Bauer war es auch, der gemeinsam mit dem früheren Gemeindedirektor Norbert Leduc dafür sorgte, dass Kommern das Freilichtmuseum bekam.

Geistliche waren zu
oft beim Kartenspiel

Beim „Dorffest“ gab es auch noch eine Besonderheit: Das „Schultheißendorf“ aus Straßfeld wurde wiedereröffnet. Aus dem Jahre 1511 stammend, ist es das älteste Haus in der Baugruppe Eifel. In dem Haus wird die frühere Gerichtsbarkeit in Straßfeld mit Zivil- und Strafprozessen dokumentiert. Festgehalten wurde auch, dass Beschwerden über den Geistlichen geführt wurden, weil der – statt Messen zu lesen – zu oft im Gasthaus beim Kartenspiel saß… Übrigens: Bürger aus Straßfeld hatten am Wochenende freien Eintritt. Die Besucher, die durch die „Eifel“ wanderten, erlebten zudem eine Überraschung: In dem wohl schönsten Garten des Museums am Haus aus Kessenich wurden sie von Sabine Roggendorf-Lang nicht nur mit einem selbst gekochten „Herzwein“ (nach Rezept von Hildegard von Bingen) begrüßt. In Eifeler Bauerntracht gekleidet, erläuterte die Darstellerin dem Publikum auch, welche Blumen, Stauden und Bodenfrüchte im Garten stehen und gegen welches Zipperlein die Kräuter gut sein sollen.

Einziger Wermutstropfen für die engagierten Mitarbeiter des Freilichtmuseums, die viel Mühe in die Vorbereitungen gesteckt hatten: Das „Herbstwetter“ wirkte sich auf die Besucherzahlen aus, denn man registrierte sowohl Samstag wie sonntags „nur“ jeweils 1600 Gäste.

Die Ausstellung „Verborgene Schätz“ ist noch Ende März 2012 im „Handwerkerhaus Henkel“ im LVR-Freilichtmuseum zu sehen.

Quelle: ProfiPress – Agentur für Kommunikation

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