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Meschede: Zurück in die Vergangenheit

Pressemeldung vom 26. Juli 2011, 16:23 Uhr

Olaf Krause hat die Zeitreise zum Beruf gemacht. Als Kulturreferent lebt er meist im Mittelalter

Meschede. Zurück in die Vergangenheit, einfach mal abtauchen, in eine Welt voller Ritter, Gaukler und längst vergessener Bräuche. Olaf Krause hat die Zeitreise zum Beruf gemacht: Als Kulturreferent bei den Mittelaltermärkten von „Kramer Zunft und Kurtzweyl“ lebt der 30-Jährige beinah wöchentlich im Vorgestern – und holt die Vergangenheit am 30. und 31. Juli auch nach Meschede.

Herr Krause, wo leben Sie lieber: Im Jahr 1011 oder 2011?

Olaf Krause: Ganz ehrlich: im Jahr 2011. Warmes Wasser aus der Leitung ist einfach das Größte.

Und was fasziniert Sie so an diesem düsteren Zeitalter?

Olaf Krause: Das Mittelalter hat nicht nur eine düstere Seite. Auf der Kehrseite erleben wir technologische Entwicklungen, blühende Künste und starke Veränderungen des Weltbilds. Der Beginn der Renaissance wird mit dem Beginn der Neuzeit gleichgesetzt. Was viele Menschen vergessen, ist dass sie nicht plötzlich und unvermutet anbrach. Ihr ging eine Entwicklung voraus. Diese Entwicklung geschah im Mittelalter, und das ist es was diese Epoche so unglaublich faszinierend und facettenreich macht.

Wann haben Sie denn Ihre Zeitreise begonnen? Und wie kommt man überhaupt zu so einem Beruf: Kulturreferent auf Mittelaltermärkten?

Olaf Krause: Eigentlich hat mich das Mittelalter schon als Kind begeistert. Ich habe unheimlich gern mit Burgen gespielt. Zunächst habe ich dann als Schmied auf Mittelaltermärkten gearbeitet, mich dann aber doch für die Musik entschieden: Ich begann eine Ausbildung in Früher Musik und trete heute mit Drehleier und Gesang auf. Und als Kulturreferent bin ich nun eben für das gesamte kulturelle Programm auf dem Markt verantwortlich.

Gestern und heute, ein Leben zwischen den Zeiten. Kommen Sie da nicht manchmal durcheinander?

Olaf Krause: Nun ja, es kommt tatsächlich schon mal vor, dass ich beim Bäcker „Seiet gegrüßt!“ rufe. Meist komme ich mit dem Zeitenwechsel jedoch ganz gut klar.

Wie sieht er für Sie aus, der Alltag im Mittelalter?

Olaf Krause: Im Vorfeld bin ich vor allem mit der Planung beschäftigt, muss die Künstler buchen, mir ein Programm ausdenken. Und während der Veranstaltung schaue ich dann, dass jeder Gaukler am richtigen Platz auftritt – ich bin quasi das Bindeglied zwischen dem gesamten Kulturprogramm.

Ist ein Mittelaltermarkt eigentlich eher Show oder doch ganz authentisch. Ihre Kleidung zum Beispiel – war die im Mittelalter der letzte Schrei?

Olaf Krause: Tatsächlich trug man im Mittelalter solche Schnabelschuhe und auch die Hosen sind der Wirklichkeit nachempfunden. Aber das Mittelalter hat ja bekanntlich knapp 1000 Jahre gedauert – da hat die Mode natürlich häufig gewechselt. Aber natürlich ist so ein Markt immer eine Gratwanderung: Wir wollen authentisch sein und zugleich Volksfestatmosphäre schaffen. Eigentlich sind wir eine mittelalterliche Unterhaltungsveranstaltung.

War früher denn wirklich alles besser?

Olaf Krause: Mir gefällt die permanente Reizüberflutung heutzutage nicht. Ich glaube im Mittelalter hat man den Moment mehr gelebt, das Hier und Jetzt, die Gegenwart. Deshalb reise ich so oft es geht in die Vergangenheit, ins Mittelalter eben.

Infokasten:

Das Stadtleben wie vor 1000 Jahren hautnah spüren – mit Musici, Gauklern, Akrobaten, Handwerkern Händlern: Am 30. und 31. Juli verwandelt sich der Stiftsplatz in Meschede in einen mittelalterlichen Markt. Der Eintritt kostet 3 Euro, Kinder „unter Schwertmaß“ sind frei. Der von „Kramer Zunt und Kurtzweyl“ organisierte und von Stadtmarketing und Stadt Meschede veranstaltete Markt wird am Samstag, dem 30. Juli, um 11 Uhr feierlich eröffnet und schließt um 21 Uhr. Am Sonntag beginnt das mittelalterliche Spektakel um 12 Uhr, Ende ist um 19 Uhr. Für neuzeitliche Kutschen hat das Parkhaus am Stiftscenter an diesem Wochenende geöffnet.

Quelle: Stadt Meschede

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