Energiewechsel

Minden: Hannover Messe 2017: Mindener Unternehmen präsentieren zukunftsweisende Projekte

Pressemeldung vom 27. April 2017, 13:54 Uhr

„Industrie 4.0 läuft nicht ohne den Menschen.“ Das ist die Botschaft, die am vergangenen Dienstag (25. April) auf der Hannover Messe bei einem Rundgang einer Delegation mit Bürgermeister Michael Jäcke an der Spitze herausgestellt worden ist. An den insgesamt sechs besuchten Ständen von Mindener Unternehmen herrschte beste Stimmung. Eine durchweg gute Auftragslage, stark gefragte Produkte und viel Interesse bei Fachbesuchern ließ die erste Bilanz sehr positiv ausfallen. Wieder gab es Ideen, technische Innovationen und Bewährtes zu sehen, zu bestaunen und auch auszuprobieren. Vor allem „Bewegtes“ zog die Besucher/innen der weltweit wichtigsten Industriemesse an. In Hannover sind die in Minden ansässigen Unternehmen Wago, Harting, ABB, Rose + Krieger und Paletti vertreten. Am Gemeinschaftsstand „It’s OWL“ präsentiert die Schaltanlagen GmbH Westermann außerdem das gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für den Mittelstand „Digital in NRW“ entwickelte Projekt „Digitalisierung im Schaltschrankbau“.

Unter dem Leitthema „Integrated Industry – Creating Value“ (Integrierte Industrie – Werte schaffend) zeigen vom 24. bis 28. April mehr als 6.500 Aussteller*innen aus 70 Ländern ihre Technologien für die Fabriken und Energiesysteme der Zukunft. Die Top-Ausstellernationen sind Deutschland, China, Italien, Polen, die Türkei und die USA.

An den Ständen der Mindener Unternehmen werden unter anderem zukunftsweisende Projekte in der Industrieautomation, intelligente Prozesse, Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten, kabellose Messtechnik, Neuerungen im Arbeitsschutz, individuelle Arbeitsplatzlösungen und Neuentwicklungen für die Logistikbranche gezeigt. Der allgemeine Trend: In den Mittelpunkt ihrer Präsentation stellten die meisten Unternehmen eher die Anwendung als das Produkt. Bürgermeister Michael Jäcke durfte ein „vernetztes“ Fahrrad fahren (Wago), in einem intelligenten Concept-Fahrzeug Platz nehmen (Harting), einen virtuellen Rundgang über ein Gelände und durch eine Lagerhalle mit einer Spezialbrille unternehmen (ABB) sowie in einem Fahrsimulator zeigen, was er als „Rennfahrer“ drauf hat (Paletti). Sein Fazit nach diesem rasanten Parcours: „Ich fahre doch besser Fahrrad“.

„Digitalisierung erzeugt Ängste“, stellte Sven Hohorst, geschäftsführender Gesellschafter von Wago, in einem mehr als halbstündigen Gespräch mit der Delegation fest. Er regte an, die zunehmende Digitalisierung auch mehr in der Bildung des Nachwuchses zu verankern. Das Anforderungsprofil in der modernen Berufswelt habe sich stark verändert, das müsse in das Schulsystem einfließen. Nicht nur volle Auftragsbücher bei den Kunden in Deutschland, Europa und weltweit (je rund ein Drittel), sondern auch die Tatsache, dass insgesamt immer mehr Elektrizität gebraucht werde, stimmte Hohorst optimistisch. Wago setzt als Kontakttechnik-Spezialist auf bewährte Produkte, wie Reihenklemmen, Schutzschalter und Adapter aber auch auf digitalisierte Steuerungssysteme und die Vernetzung von Prozessen. Wago bietet unter anderem Lösungen für Energie-, Raum- und Lichtmanagement. Das in Minden ansässige Unternehmen beschäftigt rund 7.500 Mitarbeiter*innen, davon 2.300 am Standort Minden.

Themen am Stand des weltweit tätigen Technologie-Unternehmens Harting (Hauptsitz in Espelkamp, Verwaltungssitz in Minden) sind Miniaturisierung, Automation, System-Lösungen und Netzwerk-Technologie. Anziehungspunkte für Besucher*innen sind ein hochmodernes Concept-Auto, für das Harting ein Modul entwickelt hat, ein Air-Hockey-Tisch und die Vorstellung der „Mica“-Innovation – ein internationales Gemeinschaftsprojekt. Mit „Mica“ lassen sich Daten über zwei Steckverbinder direkt aus industriellen Produktionsnetzwerken abgreifen, vorverarbeiten und an übergeordnete Systeme oder Cloud-Anwendungen weiterleiten. Das könnte sich nach Einschätzung von Vorstandschef Philip Harting „zu einem Erfolgsmodell für die Digitalisierung in einer Smart-Factory“ entwickeln. Und auch sonst laufen die Geschäfte sehr gut. Mehr als 400 Gespräche seien bereits in den ersten beiden Messetagen geführt worden, so der Vorstandschef.

Bei einem Rundgang über den 1.500 Quadratmeter großen Harting-Stand erläutert Guido Selhorst, Leiter des Marktmanagements, der Mindener Delegation die ausgestellten Produkte und Schwerpunkte. Zu einem weiteren Thema hat Harting mit einer Foto-Show auch die langjährige Teilnahme des Unternehmens an der Hannover Messe gemacht. „Es gibt keinen noch lebenden Unternehmer, der ununterbrochen 70 Jahre hier präsent war“, stellt Selhorst heraus. Der heute 77 Jahre alte Dietmar Harting, persönlich haftender Gesellschafter, war bereits im Alter von sieben Jahren mit dabei und ist es noch heute. „Mein Vater ist ein absoluter Messe-Mensch“, berichtet Sohn Philip Harting. Auf der diesjährigen Eröffnungsfeier mit Kanzlerin Angela Merkel wurde Dietmar Harting für sein langjähriges Engagement geehrt. Harting gehört zu den sehr wenigen Unternehmen, die von Beginn an bei der Hannover Messe dabei waren.

In einem völlig neuen Design und deutlich „aufgeräumter“ präsentiert sich das ebenfalls international tätige Unternehmen ABB, das in Minden einen Standort und eine Produktionsstätte mir rund 620 Mitarbeiter*innen und 34 Auszubildenden hat. Ralf Form und Ralf Zimmermann (beide ABB Deutschland) nehmen sich viel Zeit, um Bürgermeister Michael Jäcke und der Delegation die in Minden hergestellten Produkte zu erläutern – das sind Druck-Messgeräte, Sensoren, Schnellmessregler und der „Energy Harvester“. Das Gerät misst autark und ohne Stromzufuhr Prozess-Temperaturen. Die Daten werden kabellos (wireless) an die Prozess-Steuerung gesendet. Das Innovative: Ein eingebauter Mikrogenerator erhält seine Energie aus dem Temperatur-Unterschied zwischen dem Prozess und der Umgebung.

Rose + Krieger setzt weiter auf Komponenten und Systemlösungen für die Automatisierungstechnik. Am Stand in Hannover sind überwiegend Produkte der Linear-, Profil- und Rohrverbindungstechnik ausgestellt. Geschäftsführer Hartmut Hoffmann erläutert die „Verkaufsschlager“ und Neuheiten. Dazu gehören die schwere Lasten tragende Hubsäule „Multilift II“, eine Weiterentwicklung, und individuelle Arbeitsplatzlösungen mit projektgestütztem Assistenzsystem. Damit können neue und ungelernte Arbeitskräfte leicht die Arbeitsschritte – zum Beispiel in der Montage – lernen. Die Informationen werden per Beamer direkt auf die Arbeitsfläche projiziert. Zu den meistverkauften Produkten von R+K gehören höhenverstellbare Tische und diverse Schwenkarme für Monitorhalterungen, von denen pro Jahr mehr als 100.000 umgesetzt werden.

Ausgezeichnet war die Stimmung auch bei Helmuth Kahl, Geschäftsführer von Paletti, das auf Alu-Profilsysteme, aber auch auf Lackier- und Laser-Kabinen aus Aluminium spezialisiert ist. Kahl berichtete, dass er einen neuen Großauftrag „an Land gezogen hat“. Für ein international tätiges Möbelunternehmen soll Paletti zusammen mit fünf weiteren Unternehmen an einem automatisierten Auslieferungssystem arbeiten. Auf die Frage, was genau entwickelt wird und welchen Part Paletti übernimmt, hielt sich Kahl mit Bezug auf das noch nicht öffentliche Projekt bedeckt. In jedem Fall spielt hier das neue Rollenbandsystem, das hinter Glas auf dem Stand ausgestellt war, eine entscheidende Rolle. An diesem und weiterer Technik ist auch das Automobilunternehmen Tesla (USA) interessiert, das Paletti ebenfalls als neuen Kunden gewinnen konnte.

Als letzte Station machte die Mindener Delegation am Gemeinschafts-Stand „It’s OWL“ Halt. Hier präsentiert sich neben anderen Unternehmen auch die Schaltanlagenbau GmbH Heinrich Westermann (70 Mitarbeiter*innen) mit einem neuen Projekt. „Digitalisierung im Schaltschrankbau“ ist eines von sechs geförderten Umsetzungsprojekten von „Digital in NRW“. Innerhalb eines Jahres entstehen hier – in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut, der Universität Bielefeld und weiteren Instituten – individuelle Lösungen für die Industrie 4.0, die Anwendung in mittelständischen Unternehmen finden sollen. Das Projekt mit Mindener Beteiligung will die oft komplizierten Pläne für Schaltschränke digital umsetzen. Die Vorteile erläutern die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Heinz-Dieter Finke und Uwe Friedrich: Arbeitszeit wird eingespart, die Verbindungsschritte werden einzeln erklärt, was auch Berufseinsteigern die Arbeit erleichtern soll, es können auch zwei Techniker an einer Anlage gleichzeitig arbeiten, und die Pläne sind immer aktuell.

Die Mindener Delegation, die in diesem Jahr die Unternehmen auf der Hannover Messe besuchte, setzte sich aus Bürgermeister Michael Jäcke, den beiden Geschäftsführer der MEW (Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft), Joachim Schmidt und Claus-Dieter Cielobatzki, sowie MEW-Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Kreil (SPD), dem CDU-Stadtverordneten Joachim Hucke (ebenfalls MEW-Aufsichtsrat) und der städtischen Wirtschaftsförderin Sigrun Lohmeier zusammen.

Quelle: Stadt Minden – Pressestelle

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