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Moers: NS-Dokumentationsstelle erinnert an Brotfahrer-Prozess vor 75 Jahren

Pressemeldung vom 19. Juli 2011, 14:29 Uhr

Moers. (pst) Genau 75 Jahre ist es am 22. Juli her, dass im zweiten „Brotfahrer“-Prozess von der Nazi-Justiz viele Moerser Widerständler zu hohen Strafen verurteilt wurden. Unter den insgesamt 75 Personen befanden sich u. a. die späteren Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Müller (Moers), Johann Steegmann und Walter Ulrich (Repelen-Baerl/Rheinkamp), Robert Schmelzing (Kamp-Lintfort) sowie Walter Leese und Bernhard Jung, die DGB-Nachkriegsgründer im Kreis Moers. Der erste Alterspräsident des NRW-Landtags, Peter Zimmer, gehörte ebenso dazu. Auch das Urteil gegen Hermann Runge erging vor 75 Jahren (11. Dezember 1936). Dr. Bernhard Schmidt von der „NS-Dokumentation im Stadtarchiv“ erinnert an diesen besonderen Jahrestag: „Gerade die Überlebenden aus diese Prozessen haben nach der Befreiung die Demokratie in Moers und landesweit wieder glaubwürdig gemacht.“

Widerstandskreis auf breiter Basis
Nicht das Hitler-Attentat im Jahr 1944, sondern die „Brotfahrer“ stehen für den Widerstand in Moers. Über die Brotfahrer der Großbäckerei Kordahs in Duisburg-Hamborn bauten Hermann Runge und seine Mitstreiter einen großen Widerstandskreis auf, der von einer breiten Basis getragen wurde. Er reichte von der niederländischen Grenze bis nach Westfalen. Den Anstoß für die Enttarnung gab der Moerser NSDAP-Ortsgruppenleiter und Polizeidezernent Otto Suhr, Insgesamt wurden rund 600 Personen auf „einen Schlag“ verhaftet.

Umfangreiche und wertvolle Sammlung
Seit Ende 2008 enthält das Moerser Stadtarchiv wertvolle Dokumente aus der NS-Zeit, den 20er Jahren und der Nachkriegszeit. Das Material erhielt Dr. Bernhard Schmidt von Familien, erstand er auf Flohmärkten oder entdeckte es in nahezu 20 Archiven. Zusammen mit anderen Autoren – und später unterstützt vom Verein „Erinnern für die Zukunft“ – veröffentlichte Dr. Schmidt Publikationen wie „Tatort Moers“, „Widerstand und demokratischer Neubeginn im Altkreis Moers“, „UnterMenschen? Zwangsarbeiter/innen im Altkreis Moers“ und „Moers unterm Hakenkreuz“. Bei seiner ehrenamtlichen Arbeit führt er auch die bereits seit Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendlichen fort. Zu seinem Engagement gehören außerdem Stadtführungen wie „Mutiges Meerbeck-Hochstraß“. Die nächste führt am Sonntag, 24. Juli, zu den Spuren dieses Arbeiterwiderstandes.

Quelle: Moers – Pressestelle

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