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Recklinghausen: Beitrag des Stadtarchivars Dr. Matthias Kordes zum Alt-Bundespräsidenten Herzog

Pressemeldung vom 10. Januar 2017, 15:54 Uhr

Den am 10. Januar 2017 verstorbenen Alt-Bundespräsidenten Professor Dr. jur. Roman Herzog verbindet vor allem ein Kunstwerk mit Recklinghausen, das von Sighard Gille (geb. 1941), Professor für Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, stammt. Die Vorgeschichte des großformatigen Präsidentenportraits, das in klassischer Weise in Öl auf Leinwand gemalt wurde und einen expressiven, farbintensiven Charakter trägt, reicht bis ins Jahr 2001 zurück: Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Recklinghausen hatte einen Beschluss erwirkt, den ehemaligen Bundespräsidenten (Amtszeit: 1994 bis 1999) mit einem Gemälde zu ehren, um so seine Verdienste um die deutsche Einheit (Herzog war der erste Präsident, der von einer gesamtdeutschen Bundesversammlung ins Amt gewählt wurde), um die Aussöhnung mit Polen und Israel sowie seine Proklamation zur Einführung eines deutschen Holocaust-Gedenktages (erstmalig zum 27. Januar 1996) dauerhaft und anschaulich zu würdigen: Der neue Gedenktag wurde in kürzester Zeit zum Meilenstein einer vertieften deutschen Erinnerungskultur in Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Zeit.

Prof. Sighard Gille, der 1980 bis 1981 unter dem Titel „Gesang vom Leben“ im Foyer des Leipziger Gewandhauses das größte Deckengemälde Europas geschaffen hatte, wurde von Kunsthallendirektor Prof. Dr. Ferdinand Ullrich aus insgesamt fünf Künstlern für diese Auftragsarbeit ausgewählt. Diese sollte nicht etwa nur eine „abgemalte“ Fotografie Herzogs, sondern ein aus freiem und kreativem Kunstschaffen hervorgegangenes Portrait präsentieren. Der Leipziger Kunstprofessor fertigte 2003 dafür Porträtstudien in Herzogs Wohnsitz auf der Götzenburg in Jagsthausen (Landkreis Heilbronn) an. „Herzog ist ein geduldiges Modell“, sagte Gille.

Gille enthüllte sein Werk im Recklinghäuser Rathaus zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Wolfgang Pantförder anlässlich des 15. Tages der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2004. Roman Herzog konnte aufgrund einer Erkrankung an diesem Akt nicht teilnehmen, holte aber seinen längst geplanten Besuch in Recklinghausen am 20. April 2005 nach. Der vormalige Bundespräsident zeigte sich auf seine typische, nämlich launig-humorvolle Art sehr zufrieden mit dem Kunstwerk. Übrigens dominierte damals ein ganz anderes Ereignis die Schlagzeilen, auch in Recklinghausen: Josef Kardinal Ratzinger war tags zuvor zum Papst gewählt worden, auch Herzog äußerte sich bei seinem Empfang im Rathaus sehr beeindruckt darüber.

Der juristisch und historisch hochgebildete Roman Herzog besuchte Recklinghausen insgesamt vier Mal: zwei Mal als wissenschaftlicher Referent durch Vermittlung von Erwin Marschewski MdB (CDU) und auf Einladung der Evangelischen Stadtakademie (1977 als Ordentliches Mitglied der Synode Evangelischen Kirche Deutschland (EKD); 1989 als Präsident des Bundesverfassungsgerichts), am 4. Mai 1996 als Staatsoberhaupt beim Jubiläumsauftakt der 50. Ruhrfestspiele und schließlich als Alt-Bundespräsident zwecks „Inspektion“ seines Portraits im Großen Sitzungssaal des Rathauses.

Quelle: Stadt Recklinghausen – Öffentlichkeitsarbeit

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