Energiewechsel

Rheinberg: Erfolgreicher Abschluss des Interreg-KliKER-Projektes

Pressemeldung vom 18. Dezember 2014, 15:05 Uhr

Lokalen und regionalen Klimaschutz zukünftig gemeinsam organisieren

Am Montag, den 15.12.14 fand nach 3-jähriger Projektlaufzeit in der Stadthalle Kleve vor über 100 – auch prominenten – Gästen die Abschlussveranstaltung eines der umfangreichsten der laufenden kommunalen Klimaschutzprojekte mit internationaler Beteiligung statt. Gerade zurück aus Lima fanden auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, sowie NRW-Klimaminister Johannes Remmel, die Regionalministerin der Provinz GelderlandAnnemiekeTraag und auch der Euregio-Geschäftsführer Sjaak Kamps deutlich lobende Worte für das erfolgreiche Projekt. Und auch der Gastgeber Kleve und Bürgermeister Hans-Theo Mennicken zeigten sich trotz aller „Aufs und Abs“ die es in solch einem großen Projekt immer gibt zufrieden. Denn immerhin war es auch für die Stadt Rheinberg, die Hauptverantwortlich für das Projekt ist, das bisher umfangreichste internationale Projekt.
Mit Förderung der EU, der Provinz Gelderland und des Landes NRW, bei einer 20%igen Eigenbeteiligung der 11 niederländischen und deutschen Teilnehmer-Städte Alpen, Duisburg, Gennep, Kleve, Lingewaard, Neukirchen-Vluyn, Overbetuwe,Renkum, Rheden, Rheinberg und Wijchen, wurden gemeindliche Klimaschutzprozesse initiiert bzw. optimiert und Klimaschutzkonzepte und Fahrpläne erarbeitet bzw. fort geschrieben. Aus den Erkenntnissen wurde eine euregionale Klimaschutz-Roadmap erarbeitet mit der Empfehlung für verschiedene für erforderlich gesehene und empfehlenswerte Zukunftsprojekte. In verschiedenen Arbeitsformaten wurde Erfahrungs- und Wissensaustausch organisiert – Workshops, Arbeitskonferenzen, openspace-Veranstaltungen und brainstormings, Exkursionen, außerdem in 3 Pilotprojekten gearbeitet. Die Themenpalette umfasste alle relevanten Handlungsfelder des Klimaschutzes:
– Sanierung und Neubau gemeindlicher Gebäude – Energiestandards, Finanzierungsmodelle
– Sanierung im privaten Wohnungsbestand – aufsuchende Sensibilisierungs- und Erstberatung sowie Quartiersansätze zur gegenseitigen Stimulation
– Erneuerbare Energie und Kraft-Wärme-Kopplung
– Planungsgrundlagen, Finanzierung, Akzeptanz
– Energieversorgung und Bürgerenergie, dezentrale Initiativen
– Nachhaltige Lebensstile, Nutzer- und Konsumverhalten, Wertebetrachtung, Soziale Innovationen
– Nachhaltige Bildung
– Nachhaltige Mobilität
– Nachhaltige Gewerbebetriebe und Gebiete
– Anpassung an den Klimawandel
In über 20 Veranstaltungen mit über 400 Teilnehmern informierten und diskutierten Schüler und Lehrer, Studenten und Hochschulprofessoren, Unternehmer, Energieversorger, Berater, Bürgerinitiativen, Bürger, Politiker und Verwaltungsmitarbeiter vielschichtig.
2 der besonders zu erwähnenden Ergebnisse beziehen sich auf das Thema „Anpassung an den Klimawandel“. Hier beschäftigen wir Mitteleuropäer uns immer nur dann „Ereignisbezogen“ mit dem Thema, kaum eine Kommune arbeitet hier interdisziplinär, vorbeugend und gesamtstädtisch ausgerichtet. Das hat zum einen viel mit der geringen „Greifbarkeit“ und „Bewertbarkeit“ zu tun, zum anderen mit der fehlenden Erkenntnis, das bürgerschaftliche Potenzial zu erkennen und zu nutzen, und damit an der Kommunikation.
Im Rahmen des KliKER-Projektes wurde durch die Stadt Rheinberg als einziger deutscher Gemeinde an einem niederländischen Forschungsprojekt teilgenommen, um ein grafisch unterstützendes Instrument zu entwickeln, Kosten für Anpassungsmaßnahmen zu den unterschiedlichsten Handlungsfeldern aufzuzeigen, ebenso mögliche Kosten durch entstehende Schäden bei „nichts tun“ (Vorbeuge-Kosten :
Nachsorge/ Reparatur-Kosten). Für Rheinberg wurden mögliche Schadenskosten für den Zeitraum 2015 – 2050 zwischen 45 Mill. und 184 Mill. € ermittelt.

Im KliKER-Projekt wurde zur Verbesserung der Kommunikation mit den Bürgern, aber auch bei der interdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltungen, das Instrument (Brettspiel) der praat-pizza (Gedankenkarussel) erfunden. Hiermit können visuell unterstützt und spielerisch komplexe Zusammenhänge verdeutlicht und leichter kommuniziert werden.

Eine weitere sehr wichtige nochmals herausgearbeitete Erkenntnis und Botschaft bezieht sich auf Energiestandards beim Sanieren und Neubau von Gebäuden: Mit zunehmender höherwertigen energetischen Ausführung eines Gebäudes steigen zwar die Investitionskosten an, die Amortisationszeit der Maßnahme (variiert nach Gebäudetyp und Ausgangszustand) verringert sich jedoch deutlich (saniert/gebaut nach EnEV z.B. 15- 18 Jahre, nach kfw 70 z.B. 12 Jahre und nach kfw 55 z.B. 8 – 10 Jahre). Bedeutet, wer heute nicht weitreichend saniert verschwendet als Kommune Steuergeld.
Was kam darüber hinaus konkret für Rheinberg dabei heraus?
Erstmals wurde sich intensiv und v.a. bzgl aller Handlungsfelder mit dem Thema Anpassung an den Klimawandel beschäftigt, ein Einstieg.
Im Rahmen des 2. Pilotprojektes analysierten externe Berater mehrere Städtische Gebäude und erarbeiteten hierfür eine Sanierungsplanung für die kommenden Jahre.
Im Rahmen des 3. Pilotprojektes konnten Gelder dafür genutzt werden, um die laufenden kostenfreien und neutralen Dr. Haus-Energieberatungsangebote deutlich aufzustocken. Diese werden voraussichtlich Anfang 2015 durchgeführt.
Ebenfalls durch Berater-Unterstützung wurden 2013 2 Studien durchgeführt, jeweils zur Planung von Nahwärmenetzen in Wallach und im Bereich von Europaschule, Gymnasium und Hallenbad. Allerdings scheiterte eine Realisierung, da von der Bundesregierung das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) Anfang 2014 deutlich geändert worden ist und eine Umsetzung nun unwirtschaftlich macht.
Ansonsten konnten viele Impulse für Projekte der laufenden Klimaschutzarbeit gewonnen werden, sei es im Bereich nachhaltiger Lebensstil, nachhaltige Bildung oder auch Beratungsarbeit für Kleinbetriebe.

Wesentliche Erkenntnis ist, zukünftig Synergieeffekte v.a. auch durch mehr interkommunale Zusammenarbeit noch besser zu nutzen.

Und diverse Ideen für zukünftige Klimaschutzprojekte liegen bereit und Partner zur Umsetzung über ein starkes Netzwerk sind gefunden – hier 3 der Ideen:
Vernachhaltigen von Gewerbegebieten
Gemeinsames Energiesparprojekt für Schulen und Kindergärten mit weiteren Nachbarkommunen Initiative um Dörfer/ Ortsteile zukunftsfähig zu machen und sich selbst zu organisieren (smart villages) – Prozessgestaltung

Quelle: Stadt Rheinberg

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis