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Mechernich: Schülerticket? Nein Danke!

Pressemeldung vom 22. Juni 2011, 10:29 Uhr

Elternvertreter der Schulkonferenzen und Verwaltung plädieren für das viel günstigere Starter-Ticket – Ersparnis von 103,40 Euro jährlich für das erste Kind – Entscheidung des VRS über die Köpfe der Eltern hinweg heftig kritisiert
Mechernich – Die Abschaffung des Schülerjahrestickets und des Juniortickets mit Ende dieses Schuljahres und die in den vergangenen Wochen viel diskutierte Frage: „Wie geht es nun weiter?“ führte jetzt die Vertreter der Schulpflegschaften mit Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Mitarbeitern der Verwaltung und Konzessionsinhaber Guido Bauer vom Mechernicher Traditionsunternehmen „Schäfer-Reisen“ an einen Tisch. Dabei brachte der Bürgermeister den Tenor auf einen Nenner: „Das Schülerticket ist den Eltern im Stadtgebiet Mechernich nicht zumutbar – zum einen wegen der hohen Kosten, zum anderen mangels entsprechender Angebote im öffentlichen Personennahverkehr.“
Die Absicht des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS), das gewohnte Schülerjahresticket durch das erheblich teurere Schülerticket zu ersetzen, war in den vergangenen Wochen auf absolutes Unverständnis bei den Eltern gestoßen und von den Schulkonferenzen der weiterführenden Schulen abgelehnt worden, ebenso die Tatsache, dass der VRS diese Entscheidung über die Köpfe der Eltern – sprich der Kunden – hinweg traf.
Mit Beginn des neuen Schuljahres am 7. September sollten die Eltern der auf den Bus angewiesenen Schulkinder 144 Euro für das erste Kind und 72 Euro für das zweite Kind jährlich zahlen, weitere Kinder hätten das Schülerticket kostenlos erhalten. Die Tatsache, dass das Schülerticket nach 14 Uhr und auch in den Ferien im gesamten VRS-Gebiet genutzt werden kann, ist für die große Mehrheit der Eltern ohne Relevanz: Entweder sind die Kinder dann noch in der Schule oder sitzen zuhause über den Hausaufgaben. „Mein Sohn, der im fünften Schuljahr ist, hat überhaupt kein Interesse daran, nachmittags dank des Schülertickets nach Siegburg fahren zu können“, brachte es Bodo Dittmar, Vorsitzender der Elternpflegschaft am städtischen Gymnasium am Turmhof, auf den Punkt.
Wie Guido Bauer erklärte, ist das Schülerticket einst als Pilotprojekt in den Großstädten ins Leben gerufen, nach und nach jedoch seitens des VRS auch im ländlichen Raum flächendeckend eingeführt worden. „Doch was sich in Köln lohnt, ist in Mechernich mangels Angebot völlig überteuert“, kritisierte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick die Vorgehensweise des VRS. In seinen Augen handelt es sich dabei um ein Politikum zur Behebung des Defizites im ÖPNV.
Insbesondere die Einstufung „seiner“ Stadt in die Kategorie 1 sei nicht nachvollziehbar. Damit stellt der VRS die Stadt am „Tor zur Eifel“ mit Köln oder Bonn gleich – Städte, die über ein ungleich besseres Verkehrsnetz verfügen.
Alle Bemühungen seitens der Stadt um die Einstufung in die günstigere Kategorie 2, in der das Schülerticket zum halben Preis zu haben ist, lehnte der VRS ab. „In diesem Fall hätte sich die Realschule Mechernich mehrheitlich für das Schülerticket entschieden“, berichtete Petra Nießen für die Elternpflegschaft.

Ende Mai haben sich nun alle Vertreter der weiterführenden Schulen in einer übergreifenden Versammlung mit allem Nachdruck dafür ausgesprochen, das so genannte „Starter-Ticket“ als kostengünstigere Alternative zu favorisieren. Seitens des VRS war diese Möglichkeit erst gar nicht zur Sprache gekommen. Warum, wird beim Vergleich der Tarife klar. Das Starter-Ticket gewährleistet die gewohnte Beförderung der Kinder, jedoch deutlich unterhalb der Kosten für das vom VRS bevorzugte Schülerticket: Pro Kind und Jahr hätten die Eltern 40,60 Euro zu zahlen. Im Vergleich zum Schülerticket bedeutet dies eine Ersparnis von 103,40 jährlich für das erste Kind und 31,40 Euro fürs zweite. Die Stadt müsste in beiden Fällen denselben Betrag zusteuern, nämlich elfmal 40,60 Euro pro Kind.
Bürgermeister Dr. Schick, der zuständige Fachbereichsleiter Holger Schmitz und der Schulsachbearbeiter Willi Göbbel stehen hinter dem Vorschlag der Eltern und wollen für die Ausschusssitzung am 21. Juni und die Ratssitzung am 12. Juli eine entsprechende Empfehlung formulieren, nach der die Sekundarschulen der Stadt Mechernich sich für das Starter-Ticket entscheiden. Das brachte ihnen ein Lob ein von Edgar Kamper, Vorsitzender der Schulpflegschaft an der Hauptschule: „Die Stadt Mechernich denkt wirklich familienfreundlich.“

Auf heftige Kritik stieß bei den Elternvertretern die in den VRS-Tarifen verankerte Bestimmung, dass die Entscheidung für das Schülerticket nur für die gesamte Schule getroffen werden kann, innerhalb der Schule jedoch keine Wahlmöglichkeit besteht. Bei der Einführung des Starter-Tickets setzt der Bürgermeister solidarisches Verhalten unter den betroffenen Eltern voraus. „40,60 Euro sind angemessen. Wer das Solidaritätsprinzip in Frage stellt, muss damit rechnen, dass wir genau überprüfen, wer für den Schülertransport berechtigt ist“, so Schick. Derzeit werde dies nämlich großzügig gehandhabt – ohne penibel darauf zu schauen, ob der Wohnort tatsächlich die gesetzlichen Entfernungsvorgaben von der Schule einhält.
Grundsätzlich wird jedes Jahr neu über den Schülertransport entschieden. Befürwortet der Stadtrat am 12. Juli die Einführung des Starter-Tickets für ein Jahr, böte diese Entscheidung laut Bürgermeister Schick eine Chance: „Vielleicht denkt man dann beim VRS noch einmal darüber nach, Mechernich in die Kategorie 2 einzustufen und das Schülerticket zum Preis von sechs Euro im Monat einzuführen.“

Quelle: ProfiPress – Agentur für Kommunikation

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