Energiewechsel

Willich: Asa no Kai: Deutsch-Japanischer Wirtschaftskreis hatte geladen: Brexit als Weckruf ? und Chance

Pressemeldung vom 15. Dezember 2016, 12:32 Uhr

Das Japanische ?Asa no kai? bedeutet in etwa ?Treffen am Morgen?, und in Asien sind diese morgendlichen, kurzen und bemerkenswert strukturiert-getakteten Zusammenkünfte ein durchaus gebräuchliches Mittel, frühe Business-Treffen zum Meinungsaustausch, zum Netzwerken und zur Erörterung interessanter Themen zu nutzen. Das Neersener Schloss liegt fern von Tokyo, war aber nun trotzdem Schauplatz eines solchen morgendlichen Treffens: Der Deutsch-Japanische Wirtschaftskreis (DJW) hatte geladen, Bürgermeister Josef Heyes das Schloss als Tagungsort zur Verfügung gestellt, und knapp 50 Direktoren, Geschäftsführer, CIOs und sonstige ?Heads? waren der Einladung gefolgt; zum größten Teil aus der näheren Umgebung, aber auch aus ganz Deutschland und London.

Neben dem bewusst gesund gehaltenen Frühstück und einer Begrüßung durch Bürgermeister Josef Heyes gab es dann auch jede Menge Kontaktgespräche, den bei derartigen Anlässen ebenso üblichen wie unvermeidbaren massiven Austausch von Visitenkarten ? und einen hochinteressanten Vortrag, für den Edgar Walk, Chefvolkswirt Economic Research der Frankfurter Metzler Asset Management GmbH verantwortlich zeichnete.

Er warf einen konkreten Blick ? die Amtssprache wechselte, dem internationalen Auditorium angemessen vorübergehend ins Englische – auf die konkreten Chancen und Risiken des Brexit aus Sicht der international tätigen Firmen in Deutschland und Japan. Er beleuchtete zunächst die politischen Hintergründe der Entscheidung und kam letztlich am Ende seines mit zahlreichen Statistiken, harten Fakten und anschaulichen Diagrammen angereicherten Vortrags zum Schluss, dass der Brexit-Schock ein Weckruf für Europa gewesen sei, der eine intensive Diskussion über Kosten und Nutzen der Europäischen Integrations-Bestrebungen losgetreten habe. Als kurzfristiges Risiko benannte Walk die politisch eher unsichere Situation in Italien; in Wartestellung sei der europäische Reformprozess in Blick auf die Präsidenten-Wahlen in Frankreich im April kommenden Jahres und die deutschen Bundestagswahlen im kommenden Herbst. Zur Kernfrage zur Zukunft Europas indes erhob er die Entscheidung über eine weiterbetriebene Integration ? oder dass Anstreben einer eher dezentralen Struktur: Das mehrheitliche Streben nach einer weiteren europäischen Integration auch nach dem Brexit-Referendum sei offensichtlich und setze Zeichen, was deutlicher werde, wenn man sich vor Augen halte, dass das Vereinigte Königreich ja hier häufig den Bremser gegeben habe.

Verständlicher Weise würden sich die EU-Mitgliedstaaten auf ihre nationalen Interessen konzentrieren, das britische Finanzsystem werde sehr wahrscheinlich mittelfristig den Zugang zur EU verlieren, Finanzunternehmen würden sich in die EU verlagern ? und mit der Zeit, so seine Prognose, ?könnte es für in Großbritannien ansässige Unternehmen schwieriger werden, auf die Kapitalmärkte in der EU zuzugreifen – mit erheblichen Kosten für die Marktteilnehmer und ihre Kunden.?

Interessanter Nebenaspekt: Walk stellt unter anderem darauf ab, dass ein möglicher ?Umzug? des Europäischen Finanzzentrums von London auf den Kontinent (vielleicht gen Frankfurt?) mitnichten eine Premiere darstelle: Das habe es im 14. Jahrhundert von Florence nach Genua, im 15. nach Antwerpen, im 16. nach Amsterdam und im 17. eben nach London durchaus schon häufiger gegeben.

Ein vielschichtiger Vortrag, eine sich anschließende, angeregte Diskussion, in der unter anderem auch die Frage eine Rolle spielte, wie sich Deutsche Städte auf umzugswillige Firmen aus Japan vorbereiten könnten, die England nun vielleicht angesichts auch finanzieller Unwägbarkeiten den Rücken kehren wollten ? für viele sicher ein sehr lohnendes ?Treffen am Morgen?.

Quelle: Stadt Willich

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis