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Willich: Willichs Pflegefamilien gemeinsam auf der Niers unterwegs

Pressemeldung vom 18. Juli 2011, 08:31 Uhr

Langer Atem – nicht nur beim Paddeln
STADT WILLICH. Kajaks auf der Niers sind nun wirklich nichts
Ungewöhnliches. Auch größere Gruppen nicht, auch nicht im strömenden Regen.
Diese Truppe hier ist dann aber schon was Besonderes: 20 Menschen in sechs
Booten, quer durch alle Generationen, das jüngste Besatzungsmitglied 20
Monate alt – hier paddeln Willichs Pflegefamilien. Und das natürlich nicht
zufällig: Joachim Lukossek, bei der Stadt Willich zuständig für die
Auswahl, Betreuung und Beratung der Pflegeeltern, hat das Ganze organisiert
und „seine“ Willicher Familien am Bootssteg in Vinkrath zusammengetrommelt.

Pflegeeltern nehmen Kinder auf, die – aus welchen Gründen auch immer –
nicht mehr von ihren leiblichen Eltern betreut werden können und nach
Entscheidung eines Familiengerichts in eine Pflegefamilie gegeben werden.
Keine leichte Aufgabe für die Familien, was Lukossek aus professioneller,
aber auch privater Sicht und Erfahrung einzuschätzen weiß. „Oft bringen die
Kinder Problematiken mit, die eine betreuende Familie nicht nur an den Rand
der Belastung bringen. Und gerade weil unsere Arbeit auf Langfristigkeit,
auf Perspektive angelegt ist, schauen wir da schon sehr genau hin – im
Interesse beider: Der Kinder und der Familien.“
Jeden Monat treffen sich Zweidrittel der Pflegeelternfamilien, meist
Mütter, aber vereinzelt auch Väter, zu einem Meinungs- und
Erfahrungsaustausch. Der allen Beteiligten nur gut tut: Man tauscht Sorgen
aus, positive wie negative Erfahrungen, Frust, Alltag, Kniffe und Tipps –
und erlebt, dass man mit seinen großen und kleinen Krisen nicht allein
steht.
Und einmal im Jahr holt Lukossek dann alle Familien, die an diesem
monatlichen Austausch interessiert sind, komplett zusammen – und diesmal
halt ins Boot. Und zwar alle: Die Familien kommen mit Eltern und allen
Geschwistern zusammen, unternehmen gemeinsam etwas, kommen über den Ausflug
ins Gespräch.
Diesmal halt während der Tour auf der Niers. Von Vinkrath aus ging’s über
zweieinhalb Stunden bis zu einem Hof bei Wachtendonk, wo man dann das
Basislager bezog, die Kinder auf einem Spielplatz toben lassen konnte und
sich über das ebenfalls gemeinsam mitgebrachte Picknick hermachte. Auch
hier steht dann wieder, so Lukossek, der Austausch im Mittelpunkt. Auch für
die Kinder, die manchmal erstmals mitbekommen, dass auch andere Kinder
nicht in ihrer ursprünglichen, sondern in einer Pflegefamilie leben: Ich
bin nicht alleine in dieser Situation – andern geht das auch so. Ein
Stückchen Normalität.

So steht dann hier wie bei den Elternpaaren der Austausch im Mittelpunkt.
„Mir kommt es auf eine möglichst optimale Unterstützung und Betreuung der
Pflegeeltern an“, so Lukossek, der den „Nebeneffekt“, dass vor allem die
Kinder ihn hier mal als konkreten Ansprechpartner, Paddler und
klatschnassen Kumpel – und eben nicht als Behördenvertreter – erleben,
gerne mitnimmt.

Man begreift auch als Außenstehender schnell, dass hier konkret erlebbar
wird, was mit der Aktion „Unterstützung, die ankommt“ des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ auf Plakaten
und in Broschüren bundesweit beworben wird. Jugendamt in Aktion,
Jugendarbeit live. Und man bekommt eine Ahnung davon, dass das gemeinsame
Paddeln im strömenden Regen weit mehr als eine willkommene Abwechslung ist
– und der Regen eher eines der kleineren Probleme.

Quelle: Stadt Willich

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