Energiewechsel

Würselen: Gemeine Fichte – Pflanzung Baum des Jahres 2017 –

Pressemeldung vom 21. April 2017, 13:47 Uhr

Die zurzeit häufigste Baumart in deutschen Wäldern, die Gemeine Fichte, wurde zum Baum des Jahres 2017 ausgerufen. Bislang hatte man um die Fichte einen Bogen gemacht, u. a., weil sie stark polarisiert. Für den einen ist sie der „Brotbaum“ der Forstwirtschaft, für den anderen steht sie für instabile, naturferne Monokulturen.

Der Kreisverband StädteRegion Aachen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) steht zu seiner vor drei Jahren begonnen und von der Stadt Würselen unterstützten Tradition, am 25. April dem „Tag des Baumes“ den gekürten Baum des Jahres im Stadtgarten Würselen zu pflanzen. Der Baum des Jahres 2017 wird am Dienstag, 25. April 2017, 14.30 Uhr, im Stadtgarten Würselen, Pricker Straße, in unmittelbarer Nähe zu den bereits gepflanzten vorherigen Bäumen des Jahres gepflanzt.

Die Wurzeln für den Tag des Baumes liegen in den USA, wo bereits 1872 durch einen Journalisten der Antrag an die Regierung des Bundesstaates Nebraska gestellt wurde, jedes Jahr 20 Bäume pflanzen zu dürfen. In Deutschland lag der Start für den „Ehrentag“ des Baumes 1952, als der damalige Bundespräsident Theodor Heuss mit dem Bundes-SDW- Vorsitzenden, Robert Lehr im Bonner Hofgarten einen Ahorn pflanzten.

Die Gemeine Fichte oder auch Europäische Fichte ist der 29. Baum des Jahres in Folge. Sie ist die einzige in Deutschland natürlich vorkommende Fichtenart, auch wenn vielfach behauptet wird, die Fichte sei keine heimische Baumart. Dies ist so nicht richtig. Hier muss man rund 12.000 Jahre und damit vor die Eiszeiten zurückblicken. Zu dieser Zeit wuchsen in Westeuropa Fichten. Während der Eiszeiten verschwand die Fichte aus unserer Heimat und konnte hierin nicht direkt wieder zurückwandern. Überlebt hatte sie im Balkan, in Südfrankreich und in Restwäldern der Ostalpen; aus diesen genetischen Überresten konnte Mitteleuropa langsam wiederbesiedelt werden. Über eine östliche Route kehrte die Fichte wieder nach Skandinavien zurück, wo sie den bekannten borealen Nadelwald bildet.

„In unserer Kulturgeschichte war es immer wieder die Fichte“, erinnert Forstdirektor Robert Jansen, Vorsitzender des SDW-Kreisverbandes der StadteRegion Aachen, „wenn es darum ging, nach Übernutzung der Holzbestände wieder Wald anzulegen und Holznöte zu beheben.“ Denn als 1815 die Preußen das Rheinland besetzten, fanden sie die Eifel durch Holzkohlegewinnung sowie Beweidung und Streunutzung vollkommen devastiert vor. Die Wald. Deine Natur. von den Preußen mit Gesetzen und Verordnungen aufgegriffene Wiederbewaldung der Rheinprovinz erfolgte mit den Nadelhölzern Kiefer und vor allem der Fichte. Der landläufige Begriff „Preußenbaum“ hat hier für die Fichte seinen Ursprung. Die Fichte hat aber auch bei der Wiederaufforstung der kriegszerstörten und durch Reparationshiebe großflächig kahlgeschlagenen Wälder zum Beispiel auch des Hürtgenwaldes bis heute eine waldprägende und für Forst- wie Holzwirtschaft enorme betriebswirtschaftliche Bedeutung. Rund 90 % der Erträge der Forstwirtschaft kommen aus dem Verkauf von Fichtenholz. Rund 10 – 15 Kubikmeter Fichtenholz liegen als Dachstuhl auf fast jedem Haus.

Klimawandel und das gezielte Streben der Forstbetriebe nach höherer Sicherheit bei Stürmen führten dazu, dass künftig mehr Mischbestände angelegt werden. Der Flachwurzler Fichte ist sturmanfällig und im Reinbestand daher vielfach instabil und betriebswirtschaftlich mit hohen Risiken behaftet. Zur Risikominimierung und unter Berücksichtigung möglicher klimatischer Veränderungen werden Mischbestände mit Rotbuche und Douglasie angestrebt. Der Anteil der Fichte wird sich somit mittelfristig zugunsten einer vielfältigen Mischung verringern.

Die Holznutzung als Bauholz, für Möbel und als Rohstoff für die Papierindustrie ist den meisten bekannt. Wesentlich unbekannter sind die Heilkräfte der Fichte, die aus ihren Nadeln und dem Harz erwachsen. So ist das Fichtennadelöl Bestandteil des Einreibemittels Franzbranntwein und wird eingesetzt gegen Muskelkater, Zerrungen und Prellungen. Aus den frischen grünen Nadeltriebspitzen lässt sich ein Fichtennadel-Tee mit hohem Vitamin C- Gehalt aufbrühen (1 Teelöffel Triebspitzen; 5 Minuten ziehen lassen).

Und zu guter Letzt: auch wenn die Fichte „unser Tannenbaum“ sprich Weihnachtsbaum ist, sind Fichte und Tanne zwei unterschiedliche Arten. Den landläufigen „Tannenzapfen“, den man an den Zweigen nach unter hängen sieht und nach dem Abfallen ab September auf dem Waldboden findet, gehört zur Gemeinen Fichte. Bei Tannen stehen die Zapfen immer aufrecht am Zweig und lösen sich dort bei Zapfenreife auf und fallen nicht ab.

„In einer gesunden Mischung gehört die Fichte auf geeigneten Standorten auch heute zu unserem Wald“, ist Robert Jansen überzeugt und wünscht dem gepflanzten Baum des Jahres gutes Gedeihen im Stadtgarten Würselen. Eine kleine Schrifttafel erinnert an den Pflanztag 25.04.2017.

An der Pflanzaktion nehmen teil:

Arno Nelles, Bürgermeister Stadt Würselen Frau Christa Ross, Vorstandsmitglied SDW Kreisverband StädteRegion Aachen Herr Josef Ross, Vorstandsmitglied SDW Kreisverband StädteRegion Aachen Forstdirektor Robert Jansen, Vorsitzender SDW-Kreisverband StädteRegion Aachen Herr Marco Lacks,Stadtförster der Städte Würselen und Eschweiler

Quelle: Pressesprecher der Stadt Würselen

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis